1932
wird besonders in der Wagnerei und Tischlerei zu Radreifen, Schlittenkufen, Achsen, Deichseln, Rudern,Schneeschuhen *), Ackergeräten, Gerätestielen, Möbeln (Escbenfournieren), Musikinstrumenten, Turngeräten, zurHerstellung von Flugzeugen, Kraftwagen usw. verwendet. Rotgebeizt nimmt es ein Mahagoni»artiges Aussehenan. Gemasertes Holz wird namentlich aus Ungarn eingeführt und gut bezahlt. Früher stellte man mitVorliebe auch Waffen (Speere, Hellebarden, Pfeile, Bolzen) daraus her. Ebenso wurden die „Feuerquirle"daraus geschnitzt. In Pfahlbauten wurden eschene Bretter, Rädchen, Schalen, Löffel, Hammerstiele, Beil«schatte, Lanzenstielspitzen usw. vorgefunden. Auch als Brennholz steht es demjenigen der Buche nicht nach.In früheren Zeiten galt es auch als Wundholz, d. h. als ein gutes Heilmittel für frische Wunden. DieseBenutzung hat sich bis gegenwärtig in dem weitverbreiteten, abergläubischen Brauch erhalten, Verwundetenzur Heilung ein Stück Eschenholz, das in der Johannisnacht geschnitten sein muss, in die Kleider zu nähen. AusEschenholz geschnittene Becher sollten wie jene aus Efeuholz (Bd. V/2, pag. 924) gegen die Milzsucht helfen. Dassin der Qualität des Holzes nach dem Standort einJUnterschied besteht, kommt in Eckermanns Gesprächen mit
Goethe (Ausgabe Otto Harnack. Deutsche Bibliothek in Ber»lin. Bd. I, pag. 161) deutlich zum Ausdruck. Die Laubblätterwaren früher als Herba Fräxini in foliis, Fölia Fräxini s.Linguae avis offizineil. Ihre Epidermiszellen sind beidseitig gross»wellig»buchtig und besitzen unterseits zahlreiche, grosse Spalt»Öffnungen, denen die Nebenzellen fehlen. An den Polen derSpalten treten charakteristische, ankerartige Kutikularfalten auf.Ausserdem finden sich auf der Unterseite kurzgestielte Drüsen»haare mit vielzelligem, nach oben gesehen als flache Rosetteerscheinendem Köpfchen, sowie kurze, 1« oder 2»zellige, derb»wandige Haare mit steiflicher Kutikula. Oxalate fehlen. Anchemischen Stoffen wurden darin festgestellt: Innosit, Mannit,Quercitrin, Dextrose, i»Apfelsäure, Gummi, die Gerbsäure CisI hcO-,ätherisches Oel mit Terpenen usw., sowie 64,3 °/o Wasser. Siedienten früher (z.B. nach Hippokrates und Theophrast)und gegenwärtig noch beim Landvolke als wassertreibendesund den Stuhlgang förderndes Mittel, ferner gegen Gicht, Rhen»matismus usw. Der Saft der Laubblätter galt als Schlangenmittel,das Destillat junger Sprosse gegen Ohrenschmerzen und Zitternder Hände. Die Gicht soll sich auch dadurch vertreiben lassen,dass man 9 Zweigstücke der Esche bei sich trägt, die mit einemSchlage um 12 Uhr am Karfreitag in den 3 heiligen Namengehauen, unbeschrieben nach Hause genommen und in Lein»wand eingehüllt getragen werden. Im Bündner Vorderrheintalwerden Zweige am Vigiltag (23. Juni) geschnitten und am St. Jo»hannistag als Johannisreiser an Fenstersimsen von Wohnhäusern,an Türen von Viehställen usw. als Schutz gegen Unwetter undDonner angebracht. Wichtig ist das Eschenlaub in vielen wiesenarmenGegenden als Winterfutter für Kleinvieh, Ziegen, Schafe und Schweine.Im südlichen Tessin werden zu diesem Zwecke die Eschen auf denWiesen zerstreut angepflanzt, so dass sie den Eindruck wie anderwärts Obstbäume erwecken. Auch in den nördlichenAlpentälern (z. B. in Graubünden, im Reusstal, Wallis und im Salzachtale) finden sich die charakteristischen Schneitel»bäume (Fig. 2917) häufig und geben dem Landschaftsbilde in der Umgebung der Ortschaften oft ein eigenartigesGepräge. Das Abschneiden der jungen Zweige erfolgt in einzelnen Talschaften alle 2 Jahre, in anderen alljährlichim Laufe des Sommers. Das Trocknen geschieht an den Stallwänden in den „Lauben" oder auch durch Auf»hängen der mit Stroh zusammengebundenen Zweigbündel an den Schneitelbäumen selbst. Nach Brockmann»Jerosch sollen die Laubblätter früher in Frankreich in Zeiten der Not auch zur Säuerung benutzt wordensein. Jedenfalls ist die Verwendung des Eschenlaubes für Futterzwecke sehr alt, erzählt doch bereits die ger»manische Mythologie, dass die Ziege Fleidrun an der Weltesche Yggdrasil geweidet habe. Die Samen enthalten26,6 °/o Fett und wurden früher als Heilmittel gegen Lebersucht, Wassersucht, Nierenleiden, Lendenweh, Gries,
*) Für die Verwendung für Schneeschuhe (Ski) ist zu bemerken, dass das leichte und biegsame Eschenholzauch einen schweren Sturz des Läufers meist gut übersteht, aber dass es den Lauf etwas verzögert und sich leichtabnützt. Auch bleibt der Schnee leicht daran kleben. Das häufig benützte nordamerxkanische Hickory«Holz besitztdiese Nachteile nicht, kommt aber infolge seiner grösseren Härte, Schwere und Sprödigkeit leichter zum Bruch.
Fig. 2918. Fraxinus excelsior L. BlühenderBaum. Phot. Ingenieur Walter Hirzel, Winterthurund Dr. G. Hegi, München.