1931
Blüten proterogyn. Die Staubbeutel öffnen sich 2 bis 4 Tage nach der Reife der Narbe. Die Bestäubungerfolgt durch den Wind. Die geflügelten Früchte zählen, ähnlich sind diejenigen von Liriodendron tulipifera,nach Dingler in die Gruppe der länglich«plattenförmigen Flugorgane mit einer belasteten Längskante.Beim Falle drehen sie sich anfangs um ihre vertikale, später um ihre horizontale Längsachse. Neben denregelmässig ausgebildeten Früchten mit nur 1 Flügel treten bisweilen solche mit 3 Flügeln auf, die ringsumverteilt sind. Meist enthalten sie 3 gut ausgebildete Samen. Die Ablösung vom Baume geschieht allmählichund den ganzen Winter (Fig. 2918) hindurch. Aus der Windverbreitung erklärt sich das gelegentliche Auf»treten als Epiphyt, wie dies z. B. R. Stäger 2-mal auf Weiden und 2=mal auf Linden beobachtete. Die Keimungerfolgt nach W. Kinzel erst im Frühling des 2. Jahres,
wobei im Lichte gehaltene Samen eine Beschleunigungder Keimung gegenüber dunkel gehaltenen aufweisen.
Auch ein massiger Frost wirkt beschleunigend ein.
Während der vielmonatlichen Ruhezeit macht derKeimling nach Lakon eine Vorkeimung durch, diedarin besteht, dass die in den Endospermzellen be=findlichen, aus einem zu den Mucinen gehörigenGlykoprotein bestehenden Proteinkörner versdiwin»den und dafür in den anfangs stärkefreien Zellen desKeimlings Stärkekörner erscheinen. Der Embryowächst dann auf Kosten des Endosperms und fülltzuletzt dessen ganzen Raum aus. Erst nach Erlan»gung dieses Zustandes beginnt die eigentliche Keimung.
Bei Fraxinus Americana füllt der Keimling von An»fang an den ganzen Raum des Endosperms aus undkeimt sofort nach der Aussaat. Der Nachwuchs istin der Regel reichlich vorhanden und ist gegen starkeBeschattung und Verdammung zunächst wenig emp»findlich. Die jungen Pflanzen können jahrelang alskümmerliche, etwa 0,5 m hohe Sprosse im tiefenSchatten leben, entwickeln sich aber sofort sehrkräftig weiter, sobald ihnen durch die Umgebungirgendwie Luft und Licht geschaffen wird. Nur gegenSpätfröste sind sie gleich den ausgewachsenen Bau»men empfindlich. Die ältesten Eschen erreichen einAlter von etwa 200 Jahren, eine Höhe von etwa50 (40) m und einen Stammdurchmesser von 1,7 m.
Bei Wasen im Emmental (Kanton Bern) wurde einkräftiger Baum, 1,3 m über dem Erdboden gemessen,mit 1,35 m Durchmesser festgestellt (Abbildung vgl.
Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, 60, 1909).
Aus England wird von alten Eschen mit 18 mStammumfang berichtet. Das Längenwachstum istam schnellsten zwischen dem 3. und 40. Jahre, mit100 Jahren soll es abgeschlossen seinj das Dicken wachs«tum ist zwischen dem 40. und 60. Jahre am stärksten.
Die Rinde enthält das bittere, kristallinische, bläulichfluoreszierende Glykosid Fraxin, ferner Mannit(der angebliche Bitterstoff Fraxinin), Gerbstoff und
reichlich (bis 47 °/o) Wasser. Sie war früher als Cörtex Fräxini oder C. Linguae avis offizinellund diente namentlich gegen Wechselfieber, ferner gegen Würmer und als tonisches Mittel. Sie ist eines derältesten Ersatzmittel für Chinarinde. Weiterhin wurde sie zum Gerben und zum Braun», Blau» und Schwarz»färben benützt. Das Holz ist deutlich ringporig, ziemlich lang» und feinfaserig, ziemlich hart, schwer»,aber gerade spaltend, zähbiegsam, ziemlich elastisch, fest, sehr tragfähig und zum Polieren geeignet. Eswird gleich demjenigen von Eibe und Rotbuche zu den „harten Hölzern" gerechnet. Sein spezifischesFrischgewicht beträgt durchschnittlich 0,8, sein Lufttrockengewicht im Mittel 0,76 (0,57 bis 0,94). An denzarten Markstrahlen und dem aus grossen, fast den ganzen Jahresring ausfüllenden Gefässen gebildetenPorenring ist es leicht kenntlich. Es zählt zu den wertvollsten Hölzern des mitteleuropäischen Waldes undHegi, Flora. V, 3. 325
Fig. 2917.
Fraxinus excelsior L., geschneitelt.D o p f e r , München.
Phot. H.