1916
Verwiesen sei auch auf Harms, Flieder und Asparagus, Lehrbuch der Anzucht, Kultur und Treiberei,Erfurt 1897, sowie auf L. Koch in Jahrbuch für wissenschaftliche Botanik, Bd. 25, 1893. — Die Blüten sind meisthomogam, seltener (nach Bat all n) proterandrisch oder proterogyn. Als Besucher treten namentlich Dipteren,Hymenopteren und Lepidopteren auf, die dem vom Fruchtknoten augeschiedenen Honig und dem Pollen nach»stellen. Die Insekten berühren zunächst die dem Eingang der Blütenröhre versperrenden Staubbeutel unddann die Narbe. Der Pollen soll aber nach Knuth erst am Rüssel hängen bleiben, wenn dieser mit Honigbefeuchtet ist. Darnach wäre Fremdbestäubung die Regel. Nach Hei necke hingegen bleibt der Pollen ohneBeihilfe des Honigs bereits an den behaarten Mundteilen hängen. Pollenfressende Insekten verursachen inälteren Blüten wohl immer Selbstbestäubung. Letztere tritt bei ausbleibendem Besuche auch durch selbsttätigesHerabfallen von Blütenstaub ein. Das in den Blüten enthaltene ätherische Oel wird durch Destillation mitWasser und Entziehen des Riechstoffes mittels Benzol oder aber durch die Absorptionsmethode gewonnen unddient zu den kostbarsten Parfümerien. Das Holz ist beinhart (Härtezahl 1000 bis 1500kg/ccm), schwer spaltbar,besitzt sehr feine Struktur und lässt sich leicht polieren. Sein Lufttrockengewicht beträgt 0,93 bis 0,94. Stärkere
Stammstücke werden in der Drechslerei undTischlerei verwendet. In der Rinde wurde dasGlycosid Syringin (= Oxymethylconiferin Cn*H24O3 = Lilacin) festgestellt, das namentlich imMärz auftritt (0,7 °/o), während bereits im Aprilnur noch '/3 davon nachweisbar ist, fernerMannit, der amorphe Bitterrstoff Syringopikrin,Emulsin, Invertin und Saccharose. Die Laub«blätter enthalten i dieselben Stoffe, ebenso dieKnospen und die Früchte. In der Asche wurdenbis 17,7% Na2Ü nachgewiesen. — Nach Wies»n e r sind die an den Sträuchern aussenstehendenLaubblätter prophotometrisch, die im Innerenstehenden euphotometrisch. Die vegetative Ver»zweigung der Zweige ist i gabelig und wirddadurch bedingt, dass an den diesjährigen Zwei»gen nach der Entwicklung von einigen Laubblatt»paaren die Endknospe abstirbt und die bereitsgegen Ende des Sommers stark angeschwollenenbeiden Achselknospen die Sprossfortsetzung über»nehmen, Bei der Blütenbildung ersetzt dann nachR. Pilger (Bericht der Freien Vereinigung fürPflanzengeographie und systematische Botanik,1921) die Rispe einen der beiden Gabelzweige,sodass die eine der beiden Achselknospen einen
sterilen, die andere einen fertilen Spross hervor»Fig . 2905. Syringa vulgaris L., durch Eriophyes Loewi Nal. , . . ... .. . . , v
hexenbesenartig umgewandelt, a und c Sprosse, b und d Spross- bringt, oder aber es bilden sich aus beiden Knospenknospen, e Blütendiagramm (nach Marktanne r). Rispen. Nach dem Abblühen bleibt der Rispenstand
2 bis 3 Jahre vertrocknet am Strauch stehen. —Teratologische Bildungsabweichungen sind sehr häufig. Bemerkenswert ist vor allem das gelegentliche Auftreten vonadventiven Blüten oder kleiner Blütenstände auf den Wurzeln. Ferner wurden beobachtet: mannigfache Ver»bänderungen der Zweige, Zweiggabelungen, quirlige Anordnung der Laubblätter (namentlich bei Schösslingen),gegabelte oder in verschiedener Weise verwachsene Laubblätter (vgl. z. B. A. Lingelslieim. Beihefte zumBotanischen Zentralblatt. Bd. XXXIII, 1916), Durchblätterung der Blütenrispen, Verwachsung und Vermehrungder Blütenkreise (bei Gartenformen häufig gezogen). An den Keimpflanzen stellte Breuil Längsverwachsungder Keimblätter oder deren seitliche Spaltung fest, sodass tri», tetra. und pentakotyle Pflänzchen entstanden. —Die Zahl der tierischen und pflanzlichen Schädlinge auf dem Flieder ist ziemlich bedeutend. Auffällig sindvor allem die durch Eriöphyes Loewi Nal. verursachten Häufungen, Hemmungen und Missbildungen anden Knospen, die im Frühling zu kleinen hexenbesenartigen Sprossen auswachsen und dann verkümmerteoder auch schuppenförmige Laubblätter tragen (Fig. 2905). Die Zweige werden von zahlreichen (nach Lindaumehr als 40 verschiedenen) Ascomyceten befallen, von denen Hysterogräphium fräxini (Pers.) Lisiclla syringae(Hazsl.), Massariella liläcis Otth, Mycosphaerella syringicola Otth, Otthia syringae (Fries), Välsa syringaeNitschke genannt seien. Als Minierer der Laubblätter tritt die Fliedermotte Graciläria syringella) auf, stärkereFrassschädigungen werden an ihnen durch die spanische Fliege (Lytta vesicatöria L.) verursacht (vgl. F. Zacher,