1869
keimen nach Kinz e 1 langsam und nur im Dunkel, halbreife Samen besser als ganz ausgereifte. Frostwirkung hatkeine wesentliche Beeinflussung der Keimung zur Folge. Die Kotyledonen kommen bei der Keimung aus dem Boden.
1. Krone radförmig, wenig länger als der Kelch. Laubblätter eiförmig, sitzend. A. arvensis nr. 2212.
1*. Krone glockenförmig, 2- bis 3.mal so lang als der Kelch. Laubblätter rundlich, kurz gestielt. A. tenella nr. 2213.
2212. Anagallis arvensis L. (= A. fcemina Mill., = A. Indica Sweet, = A. mas Vill., = A.Monelli Bieb., = A. orientälis Hort., = A. parviflöra Loisel., = A. pulchella Salisb., = A.punctifölia Stokes). Acker = Gauchheil, Sperlings» oder Zeisigkraut, Rotes Grundheil.Franz.: Mouron male, morgeline d'ete; engl.: Cure all, shepherd's hourglass, scarlet pimpernel,red pimpernel, red chickweed, poor mans weather=glass, John go to bed at noon; ital.:Bellichina, mordi gallina, budello di gallina (Tessin). Taf. 211, Fig. 5; Fig. 2871 und 2707a.
Der Name Gauchheil, der nur wenig volkstümlich ist, wird dahin erklärt, dass man mit demKraute Geisteskrankheiten (Gauch = Tor, Narr) heilte. Offenbar wurde auch der Name vermengt mit Gachheil(mittelhochdeutsch gäch = jäh, schnell), der Bezeichnung für ein „schnell heilendes" Kraut; vgl. Gachelkraut= Achillea Millefolium. Gähheil (Eifel) und Goarteel [Gartheil = Artemisia abrotanum] sind solcheAnlehnungen an andere Pflanzennamen. Die Blüte öffnet sich erst um etwa 9 Uhr vormittags und schliesstsich bereits gegen 3 Uhr nachmittags wieder, daher die Volksnamen: Nalnibleaml (Niederösterreich),Neuner 1 e (bayer. Schwaben), Nüni«Blüemli (Luzern), Zehnlblüemli (Thurgau), Firobedb 1 üemli[„Vier Uhr zu Bett"] (Thurgau), Ful»Liese (Mecklenburg), Faule(s) Liesl (bayerisch»österreichisch),Fauli Gredl (Niederösterreich), Fulenzchen, Ful' Eischen, Faule Ma(g)d (Gotha). Nach denzierlichen, augenähnlichen Blüten heisst der Gauchheil auch Katza(n)äugla (Schwäbische Alb), Flühneraug(Schweiz: Waldstätten), r ot i H en na-A e u g 1 i (St. Gallen), nach deren roter Farbe Bluetst röp fli (Schweiz).Da sich die Blume bei bewölktem Himmel (also wenn Regen bevorsteht) schliesst, nennt man sie In SchleswigRegenblom, im Riesengebirge Wetterblume und in Schlesien Gewitterblume. Als Futter fürGänse bezeichnet man den Gauchheil als Gänskrltche (Lothringen), Gensekreltchen (Luxemburg). Auf(vermeintliche) Heilwirkungen gehen Grundhell, Hell alle Welt (Braunschweig), Kopfwehkraut(Schwäbische Alb). Da der Gauchheil im Habitus einige Aehnlichkeit mit der Vogelmiere (Hühnerdarm, Stellariamedia, vgl. Bd. III, pag. 352) hat, heisst er Heanadarm (Niederösterreich), Hühnasarb (Erzgebirge), roeHonerswarm (Oldenburg), rode Mihre (Mecklenburg, Schleswig), roter Hühnerdarm (Schweiz,Kärnten). Zu Augetrost, Augetröstla (Schwäbische Alb) vgl. Euphrasia Bd. VI, pag. 83.
Einjährig. Stengel niederliegend oder aufsteigend, 6 bis 30 cm lang, selten wurzelnd,verästelt, mit oft verlängerten, niederliegenden Zweigen, 4=kantig. Laubblätter und Stengel inder Jugend dicht mit kurzen Köpfchenhaaren bedeckt, später verkahlend. Laubblätter kreuz»weise gegenständig, selten zu 3 quirlig, eiförmig, 0,5 bis 2 cm lang, 0,3 bis 0,9 cm breit,sitzend, ganzrandig, stumpflich oder spitzlich, ausgebreitet, unterseits etwas punktiert. Blüten»stiele 1» bis 2 1 /ä=mal so lang als die Laubblätter, dünn, zur Fruchtzeit nach rückwärts gebogen.Kelchzipfel 4 (5) mm lang, schmallanzettlich, sehr spitz, mit Hautrand. Krone radförmig, solang oder etwas länger als der Kelch, zinnoberrot oder blau, mit verkehrteiförmigen oderovalen, stumpfen, am Rande fein gezähnten und oft gewimperten Abschnitten. Staubblätterungefähr 2=mal kürzer als die Krone; Staubfäden fein gewimpert, am Grunde in eine breite,gewimperte Röhre verwachsen-, Staubbeutel unten herzförmig, 3» bis 4=mal kürzer als dieStaubfäden. Kapsel 4 bis 5 mm lang, wenig kürzer als der Kelch, vom bleibenden Griffelgekrönt; Samen 1 bis 1,7 mm lang, 1 bis 1,3 mm breit, grobwarzig, braun. — VI bis X.
Auf Aeckern, Brachland, in Gärten, Rebbergen, auf Schutt, an Wegen, durch dasganze Gebiet verbreitet bis in die Voralpen.
Tritt in 2 Unterarten aufi
1. subsp. phoetiicea (Scop.) Schinz und Keller (= A. Ardbica Duby). Krone zinnoberrot, gegen denGrund zu blutrot, am äusseren Rande feindrüsig gewimpert; Blütenstiele die Laubblätter weit überragend.Laubblätter hellgrün, stumpflich. Haare am Rande der Petalen 3>zellig (inkl. Epldermiszelle); Staubfadenhaare5» bis 8»zelllg mit kugeliger Endzelle.
Durch das ganze Gebiet verbreitet und meist häufig. In den Bayerischen Alpen bis 700 m, InTirol bis 1600 m, in Graubünden bis 1500 m, Im Berner Oberland bis 1300 m, im Wallis bis 1600 m ansteigend.
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