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5,3 (1927) Dicotyledones : (IV. Teil), Sympetalae
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ebenso als Geschmackskorrigens empfohlen. Eine Abkochung (Tee) der Blätter wird bei Atonie der Blase, beichronischem Bronchialkatarrh, bei Zuckerkrankheit usw. benützt. In Gebirgsgegenden wird der Heidelbeer»geist gegen Unterleibsschmerzen und zur inneren Erwärmung getrunken. Ehedem wurden aus dem Beerensaftdurch Zusatz von Alaun, Galläpfel, Grünspan, Salmiak usw. schöne violette oder purpurrote Malerfarbengewonnen. Audi als Gerbemittel hat sich das Kraut bewährt. Nach dem Volksglauben darf in der KarlsbaderGegend die künftige Mutter keine Schwarzbeeren pflücken, da das Kind sonst viele schwarze Muttermalebekommt. In Nordböhmen, Oberfranken und in der Oberpfalz gelten die am Jakobitag (25. Juli) gepflücktenBeeren gegen Leibweh als besonders wirksam. Nach einem mittelfränkischen Volksglauben „verbrennt" dieSchwarzbeerblüte (d. h. die Beeren missraten 1), wenn es am St. Urbanstag (25. Mai) donnert und blitzt(nach Marzell, Hrch. Bayerische Volksbotanik, 1926). Um Osnabrück (Westfalen) bezeichnet die Redensart„wenn'n ko'ne Bickbiere schluck" etwas Winziges, Unzulängliches. Jedenfalls lassen sich einzelne Flurnamen wieHeidelbeerholz und Heidelbeerstöckli (Sarnersee) von dem Strauche ableiten, ebenso in der Westschweiz von denPatoisnamen gresala und grossei zahlreiche Lokalitäten wie Gresalays, Gresally, gresallaire usw.

Von speziellen Pilzparasiten der Heidelbeere ist namentlich Sclerotinia baccärum (Sdiröt.)auffällig durch die Verfärbung und Mumifizierung der Heidelbeerfrucht, die ihr Myzel hervorruft. Die ver»härteten, weissen Beeren sind nicht mit der weissfrüchtigen f. leucocärpum zu verwechseln. Auch Sdero»tinia Rhodod6ndri Fischer kann auf V. Myrtilius übergehen und hier ihr Oidium ausbilden. Godrö«nia urceoliförmis Karst. (Discomycet) bildet vereinzelt stehende, krugförmige Fruchtkörper an denZweigen (Deutschland, England, Nordeuropa). Ferner seien erwähnt: Ventüria elegdntula Rehm(Deutschland); Sphaerölla (Mycosphaer6lla) Vaccinii Cooke (verbreitet) und Sph. Myrtillina Pass.(Apennin)j Meliola nidulans (Sdiw.) Cooke, dunkle Flecken im Assimilationsgewebe bildend (Mittel»europäische Gebirge, Vogesen, Pyrenäen, Schottland, Schweden); Podosphaera Myrtillina Kze.bildet kugelige Fruchtkörper mit aufrechten, verzweigten Anhängseln in einem Luftmyzel sitzend, das die grünenLaubblätter wie mit einem weissen Schimmel überzieht (Europa). Gloeospörium Myrtilli Allesch, aufden lebenden Blättern (Bayern, Sachsen), usw. Die Larve einer Gallmücke (Dasyneüra Vaccinii) ruftSprossverkürzung und Gallenbildung hervor; eine andere Art verursacht schmale, feste Randrollung derLaubblätter nach unten und knorpelige Verdickung derselben. Durch den Reiz einer Gallmilbe werden dieLaubblätter gefaltet oder gerunzelt, ihre Ränder und Spitze ± aufwärts gebogen. — Das erste sichere Auf.treten von V. Myrtillus in Mitteleuropa fällt in das ältere Diluvium. Fossile Reste wurden im Kieseiguhrvon Ober»Ohe in Norddeutschland (nach K e i 1 h a c k zur ersten lnterglazialzeit gehörig) nachgewiesen.

2153. Vaccinium uliginösum L. (= V. ciliätum Gilib., = V. rubrum Gilib., = Myrtillusgrändis Bubani). Moorbeere, Rauschbeere. Franz.: Airelle uligineuse, aireile des marais,airelle fangueuse; inSavoyen: Orcetta, orcettet; engl.: Bogbilberry; ital.: Mirtillo uliginoso,bugiola (Tessin). Taf. 206, Fig. 9; Fig. 2686e bis h, 2687 und 2688.

Der Genuss der Beeren soll bei manchen Personen rausch» oder seh windelähnliche Zustände hervor»rufen, daher Rauschbeer (bayerisch»österreichisch), Trunkelbeere (besonders im Niederdeutschen),Schwindelbeer (z. B. Niederösterreich, Schweiz), Dumm (eis) beer (Sachsen; Deutsch=Einsiedel). Nachdem grauen (mehligen, nebelähnlichen) Ueberzug heissen die Beeren Mehlbeere (Steiermark), Mehlberi(Schweiz), Nebelbeer (Osttirol, Steiermark), nach ihrem etwas zähen, schleimigen Saft Schnotz«,Schnuderbeere [Schnuder = Nasenschleim] (Baden), Schnuderbeeri (Schweiz), Pf 1 uderbeeri,Bludertsche, Bludere [„Bluder" = etwas weiches, breiartiges] (Graubünden). Den Standort deuten anMaurbeere [Moorbeere] (Braunschweig), Femmerten [Fennbeere, zu Fenn = Sumpf, Moor] (Westfalen),Filzklobern [Filz = Hochmoor] (Böhmerwald), Moosfakken(Osttirol), zu Kranckeln (Niederösterreich),Kronsbeeren (Mecklenburg) vgl. Vaccinium Vitis»Idaea, zu Kootecken (Untere Weser) V. Myrtillus!Andere Bezeichnungen sind noch Bullgrafen (Pommern), Puttgnaden (Mecklenburg), Duunbeere(Lüneburg), Winnen», Winnsbeere (Untere Weser), Suurbeen (Bremen), Rissbeten (Westfalen),Glogitzer [aus dem Slavischen?], Zoglbeer (Böhmerwald), Sturlbeer (Tirol), Gugge (WürttembergsIsny), Bergmandln (Kärnten), Butler (Graubünden), Munib eere (Schweiz), Puddelbeeri (Zermatt).— Rätoromanische Bezeichnungen sind in Graubünden uzun(s) schnesters, uschajatschs, u d's q u i g 1 i a t,da pudlas, d'chaun, azun d'luf, budere, bursins, blud^rs (Bravougn), mutschin (Oberland),alzun vinac, scagaü (Bergell), in Gröden podlouses; die Frucht muse.

Bis 80 (90) cm hohes, sparriges Sträuchlein mit stielrunden, graubraunen, kahlen,aufstrebenden Zweigen und weit kriechendem Wurzelstock. Laubblätter sommergrün, derb,verkehrteiförmig oder länglich, ganzrandig, am Rande schwach umgebogen, unterseits mit