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hierin weniger xeromorphe Ausbildung. Die grössere Frostempfindlichkeit der Pflanze erklärt sich somit schonaus der Blattanatomie. Audi die assimilierenden Zweige weisen zahlreiche Spaltöffnungen auf (150 bis 160pro mm 2 ). Die subepidermalen Zellen bilden ein Wassergewebe aus 1 bis 2 Zellschichten, die einerseitsFeuchtigkeit speichern, anderseits aber nach Segerstedt auch das darunterliegende Assimilationsgewebe imWinter vor starker Belichtung schützen. Die Korkbildung der vegetativen Sprosse tritt spät, erst im drittenbis fünften Jahre, oder (an feuchten Stellen) noch später ein. Der Holzkörper ist in den jüngeren Triebenziemlich schwach entwickelt; das mächtige Mark dient als Speichergewebe. Im Spätherbst vor dem Laubfallwird in den Blättern reichlich Anthocyan ausgebildet; doch nehmen dieselben nie die intensiv rote Farbe derHerbstblätter von Arctostaphylos alpina an. Die Drüsenhaare am Rande und an den Blattnerven sindbefähigt, Wasser aufzunehmen. — Von unseren Vaccinien erträgt V. Myrtillus die geringsten Lichtintensitäten.Sie dringt in die schattigsten Wälder ein (Lichtgenuss '/ 48 bis V 51 )> bleibt aber dann steril und vegetiertkümmerlich.
Die Blüten sind in der Regel vorerst für sehr kurze Zeit proterandrisch, hierauf homogam. VomDiskus am Grunde der Blüte wird reichlich Honig abgesondert, der als Anlockungsmittel für zahlreicheInsekten, namentlich Hummeln und Bienen, aber auch Falter und Dipteren, dient. Immerhin fördern nicht alleBesucher die Befruchtung. Man beobachtet nämlich öfter die Blütenkrone am Grunde von Hymenopterendurchbissen, ein Mittel des Honigraubes, das auch bei allen ähnlich gebauten Ericaceenblüten Anwendungfindet. Neben der Fremdbestäubung kommt auch Autogamie vor. War min g hat festgestellt, dass schon inder Knospe Selbstbestäubung möglich ist. In ozeanischen Gebieten, wie z. B. in Nordwest.Deutschland, gelangtdie Heidelbeere ausnahmsweise zweimal im Jahr zur Blüte und es kommt vor, dass um Weihnachten blühendeHeidelbeeren gefunden werden (so nach Wiemeyer). Die schwarzblauen, saftigen Früchte absorbieren mehrWärme als die roten Moosbeeren. An einem sonnigen Julitag stieg die Temperatur im Inneren eines gefülltenKorbes mit Heidelbeeren auf 40° (11 Uhr morgens), während die Luftwärme gleichzeitig nur 31° betrug. DieUrsache der Erwärmung liegt in der Absorption der direkten Sonnenstrahlen durch die dunkelfarbigen Beeren.
Die süss=säuerlichen Früchte sind vielfach offizinell (früctus Myrtilli, bäccae myrtillörum).Sie enthalten Zucker, Gummi, Pektin, Gerbstoff, China», Aepfel» und Zitronensäure (jedoch keine Benzoesäure).König gibt als Resultat zweier Analysen folgende Zusammensetzung der frischen Beeren s 78,36°/o Wasser,0,78°/o Stickstoff, l,66°/o freie Säure, 5,02°/o Zucker, 0,87°/o sonstige stickstofffreie Extraktstoffe, 12,29% Holz«faser und 1,02 °/o Asche. Ihr Säuregehalt ist grösser als der der Erd» und Himbeeren. Die Heidelbeeren werdenallgemein gesammelt und frisch oder eingekocht — und zwar für sich allein oder mit Zucker, Milch oder Wein —als gesundes und wohlschmeckendes Beerenobst oder aber als Konfitüren, Kompott, Sirup (auch Limonade-Sirup)oder Mus (früher auch als Suppe) genossen. Auch zur Bereitung von allerlei Backwerk (Heidelbeerkuchen),dann durch Gärung von Heidelbeerwein (auch Heidelbeersekt) und durch Brennen bezw. Destillieren vonHeidelbeergeist finden sie reichlich Verwendung. Die Bestandteile des Heidelbeerweins sind Alkohol (mitZuckerzusatz bis 12 g pro 100 ccm), Pektinstoffe, Zucker, Aepfelsäure, Phosphorsäure, Glyzerin, Mineralstoffe.Interessant ist die prozentuale Zusammensetzung der Asche der Heidelbeerfrucht; sie enthält nämlich nebenPhosphorsäure, Magnesia usw. einen sehr hohen Prozentsatz von Kali. Die mittlere Zusammensetzung derHeidelbeerasche, in Prozenten ausgedrückt, ist folgende: Reinasche in der Trockensubstanz 2,87, Kali 57,11,Natron 5,16, Kalk 7,96, Magnesia 6,11, Eisenoxyd 1,12, Phosphorsäure 17,38, Schwefelsäure 3,11, Kieselsäure 0,89°/o.
Th. Omeis (Hilgers Mitt. pharmac. Inst. Erlangen, Heft II, 273) untersuchte die Veränderungen beider Reife der Heidelbeerfrucht. Er stellte bis zur völligen Rotfärbung der Beeren eine Zunahme allerBestandteile fest; hierauf erfolgte bis zur Fruchtreife eine Abnahme der Trockensubstanz, Säuren und Mineral»Stoffe, dagegen eine Zunahme des Zuckers. Der Farbstoff der Heidelbeere, das Myrtillin (C22H22O12) hat Aehnlichkeitmit dem Farbstoff der Weintrauben, was denn auch schon frühzeitig Anlass gegeben hat, die Heidelbeeren zur Wein«färbung (Weiss» und Rotwein) zu benützen. So wurden vor 1914 zu diesem Zwecke aus Deutschland ganze Wagen»bezw. Schiffsladungen nach Bozen und nach Frankreich (besonders nach Bordeaux) ausgeführt. Die Heidelbeer»weinerzeugung Deutschlands ist überraschend gross. Sie erreichte im Frieden rund 60 000 hl und stellte nichtganz '/4 der deutschen Rotweinerzeugung dar. In Bayern gab es 1918 über 100 Heidelbeerwein»Keltereien.Die Fertigstellung des Heidelbeerweins dauert fast ein ganzes Jahr. Hundert kg Beeren geben bei der Pressung80 bis 90 kg Saft. Um die richtige Gärung zu ermöglichen, muss dem Saft etwa */3 seines Gewichtes an Zuckerzugesetzt werden. In den deutschen Beerenweinkeltereien dürften 8 bis 10 000 Personen beschäftigt sein.
In manchen Alpengegenden, in den Mittelgebirgen (Schwarzwald, Spessart), aber auch da und dortim Flachland (besonders im Lüneburgischen und bei Harburg), bringen die ausgedehnten Bestände der Pflanzeeinen so reichen Ertrag, dass in günstigen Jahren grosse Mengen gesammelt und ausgeführt werden können.Hunderte von Beerenlesern (Schwarzbeerleute) ziehen dann zur Fruchtzeit mit Kesseln, Körben und Milch»tansen ausgerüstet „in die Beeren"; die Tagesernte einer 5»köpfigen Familie kann 50 kg erreichen. Mancherorts(z. B. in der Ostschweiz und in Deutschland) bedient man sich besonderer Holz» oder Metallkämme, womit die