1609
Speicher, indem die Wasserabgabe eingeschränkt wird. Bemerkenswert ist die starke Entwicklung des Palisaden,gewebes der Blätter im Verhältnis zum Schwammparenchym. Nach einer Messung von P. L. L o h r — ausgeführtan Blättern aus sonniger Höhenlage (2400 m) — entfallen 56°/o der Blattdicke auf Palisadenzellen, 32°/o aufSchwammparenchym und 12°/o auf Epidermis und Kutikula. Im Herbst sind die Empetrum.Blätter sehr stärke,reich, Ende Dezember dagegen stärkefrei, aber zudcerreidi.
Die ausgesprochen xeromorphe Struktur der Empetrumblätter steht in schärfstem Gegensatz zurGesamtökologie der Pflanze in Mitteleuropa. Sie ist hier windfliehend und ein ausgesprochener Schneeschützlingund geniesst in den Alpen während 5 bis 7 Monaten den Schutz einer meist ausgiebigen Schneedecke. Währendder Vegetationsperiode sind ihre Standorte stets ± befeuchtet und halten namentlich Regen, und Schmelz,wasser lange fest. Eine starke Austrocknung des Wurzelwerks erträgt der Strauch nicht. Seinen Ansprüchennach kann somit Empetrum durchaus nicht als Xerophyt betrachtet werden-, damit stimmt übrigens auch dieVerbreitung der Art überein, die sich einerseits an die feucht.nebligen Mittelgebirge und die regenreichenHochgebirge, anderseits an die ozeanischen Küstengebiete und den schneereichen Norden hält. Nachdemjüngst auch die Theorie von der „physiologischen Trockenheit* der Moore einen starken Stoss erlitten hat(vgl- pag. 1614), halten wir uns für berechtigt, Empetrum als Mesophytenstrauch mit alterworbener, fest,fixierter, »versteinerter" Xerophytenstruktur zu bezeichnen. Wann, wo und unter welchen äusseren Umständendiese Xeromorphie erworben worden ist, entzieht sich jedoch unserer Beurteilung.
Die Xeromorphie des Empetrumblattes hindert im übrigen die Pflanze nicht an reichlicher Transpiration,da die grosse Zahl der Blätter eine Vergrösserung der Gesamtfläche zur Folge hat. Nach O. Stocker tran.spiriert Empetrum 2. bis 3-mal so stark als die sommergrünen Hochmoorpflanzen. Die Erklärung hiefür wirdin einer Anpassung an die Winterstürme gesucht; die Xeromorphie des Empetrum- (und Ericaceen.)Blattes wäredie Folge einer primär bezweckten, mechanischen Verstärkung. Dass diese Erklärung für einen ausgesprochenenW ind. und Schneeschützling wie Empetrum versagt, ist einleuchtend.
Benetzung und Salzwasser erträgt Empetrum nigrum schlecht. Porsild berichtet aus West-Grönland,dass Sträuchlein, die am Rand eines in Senkung begriffenen Fjords wuchsen, verkümmerten, sobald sie beiHochwasser gelegentlich von den Wogen erreicht wurden. Die Laubblätter nahmen eine orangerote Färbungan, und nur jene an den Zweigspitzen waren normal entwickelt.
Die parasitären Pilze auf Empetrum beleuchten die nahe Verwandtschaft der Gattung mit denEricacee n. Die wichtigen, hauptsächlich oder fast ausschliesslich Ericaceen bewohnenden Gattungen Chryso.myxa, Pseudophacidium und Sphaeropeziza haben je auch einen Vertreter auf Empetrum(Chrysomyxa Empetri [Pers.] Rostr., Pseudophacidium Smithiänum Boud., SphaeropezizaEmpetri [Fuckel] Rehm). Auf Island wurden ferner auf Empetrumblättern nachgewiesen PhaeropezizaEmpetri Rostr. und Metasphaeria Empetri (Fuckel) Saccardo. — Die Gallmilbe Eriöphyes EmpetriLindroth verursacht hexenbesenartige Wucherungen. Die missbildeten Laubblätter sind blass, kleiner undglänzender; die Sprossachse ist verkürzt und die Blüten vergrünen.
Empetrum nigrum ist fossil aus den interglazialen Ablagerungen Welte und von Honerdingen inNord Westdeutschland bekannt. Ihre südlichen Vorposten dürfte die Art während der Eiszeit gewonnen haben,lieber ihr ursprüngliches Entwicklungszentrum können wir nur Vermutungen hegen; wie bereits erwähnt, liegtder Entwicklungsherd der ganzen Unterfamilie in den atlantischen Küstengebieten von Europa und Nordamerika.
Die Krähenbeere wird selten zu dekorativen Zwecken kultiviert. Sie liebt schattige Stellen undSchneedecke. Schon 1565 wird Empetrum von Mattioli aus dem Riesengebirge erwähnt. Auch gibt er von derPflanze, die er Erica baeeifera nennt, eine recht gute Abbildung. Empetrum nigrum ist heute im Reg..Bezirk Cassel gesetzlich geschützt.
103. Farn. Ericäceae (= Vacciniäceae). Heidekrautgewächse.
Bearbeitet von Dozent Dr. Josias Braun»Blanquet, Züridi (1926).
Halbsträucher, Sträucher, seltener Bäume (Arbütus, Erica arbörea, viele Arten in den Sub=tropen), mit zerstreut stehenden, gegen« oder quirlständigen, ungeteilten Laubblättern von derber,oft lederiger Konsistenz. Nebenblätter fehlend. Blüten traubig oder rispig angeordnet, seltener schein»doldig oder einzeln blattadiselständig (Cassiope, Chamaedaphne, Vaccinium Myrtillus), zwitterig,meist regelmässig aktinomorph (Fig. 2630), selten ± zygomorph (Rhododendron), meist 4- oder5= zählig(ausnahmsweise 1-bis 7-zählig). Knospenlage dachig oder gedreht, selten klappig. Kelchblätterfrei oder verwachsen. Kronblätter verwachsen, selten frei (Rhododendroideae Ledeae), röhrig,becher* oder krugförmig oder glockig, sehr selten offen, radförmig (Rhodothamnus). Staub-