Druckschrift 
5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
Entstehung
Seite
876
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

876

vereinigt mit Lycopodium annotinum, Listera cordata, Galium rotundifolium, Pirola uniflora und P. secunda,Linnaea borealis, Luzula luzulina, Cystopteris montana, Coralliorrhiza trifida, Monotropa Hypopitys var. glabrausw. Gern erscheint das zarte Pflänzdien auch in Farndickichten von Dryopteris Linnaeana, D. montana,D. Filix mas, D. spinulosa, Athyrium Filix femina, Blechnum Spicant usw. Nicht selten ist die Art auch in derunteren Bergstufe in Abies alba-, in schattigen Laub« und Misch.Wäldern, an Waldbächen und in feuchten Schluchtenzu finden. Im Hochwald des Ith im Weserland z. B. ist sie im Fagetum silvaticae mit Acer Pseudoplatanus,Tilia platyphylla, im Unterwuchs mit Epipogon aphyllus, Aconitum Lycoctonum, Geranium lucidum, Lithospermumpurpureo.caeruleum und Pulmonaria angustifolia anzutreffen. Im Flachlande tritt sie fast nur an sehrfeuchten Orten auf, z.B. in Sphagnumrasen auf offenen Hoch» und Waldmooren, auf ersteren z. B. im Kreise Tuchlnach Preuss mit Circaea Lutetiana, Hydrocotyle vulgaris, Viola palustris und V. epipsila, oder mit Vorliebe inErlenbruchwäldern (Erlenbegleiter nach H ö c k), vereinigt mit Dryopteris cristata und D. spinulosa, Athyrium Filixfemina, Carex elongata, Ranunculus Flammula, Potentilla palustris, Filipendula Ulmaria, Lycopus Europaeus, Galiumpalustre und G. uliginosum, Hydrocotyle vulgaris u. a. Aehnlich sind die Begleiter in den Erlen.Weidengebüschender Kurischen Nehrung (vgl. Stellaria Holostea. Bd. III, pag. 355). Auch in Asien findet sie sich nach A. Englergern in Gemeinschaft von Erlen. Die Blüten besitzen die gleiche Bestäubungseinrichtung wie die von C. Lutetiana(vgl. pag. 878) und werden gleichfalls von Fliegen besucht. Nach Kerner ist gegen Ende der Blütezeit durchAnlegen von einem oder zwei Staubbeuteln an die Narbe spontane Selbstbestäubung möglich. Nach denAngaben einiger Beobachter fallen die Früchte hie und da vorzeitig ab. Die Verbreitung erfolgt wahr«scheinlich grossenteils epizoisch durch vorbeistreichende Tiere. Das Abschleudern geht dabei nach Christ 1 )(Le Rameau de Sapin. 47. Jahrgang, 1913) bei der leichtesten Berührung und mit grosser Schwungkraft vorsich, die sehr an die Vorgänge bei Impatiens erinnert. Die Abrissstellen finden sich teils am Grunde derFrucht, teils am Ende des Fruchtstieles. Daraus erklärt sich auch das Fehlen reifer, grosser Früchte in denHerbarien. Die anatomischen Verhältnisse sind noch nicht untersucht. Die unterirdisch wagrechtoder schräg nach unten kriechenden Ausläufer (in der Regel 5) entspringen in den Achseln von Niederblatt«schuppen, sind bis 6 cm lang, fädlich«dünn, wiederum mit Niederblättern besetzt und endigen mit einerplötzlich abgesetzten, von Schuppen eingehüllten Knolle (Fig. 2255 k). Die oberirdischen Ausläufer sind meistwenig zahlreich vorhanden, entspringen in den Achseln der untersten Laubblätter und tragen an ihren ober«Irdischen Teilen kleine Laubblätter, während die in den Boden eindringenden Teile wiederum Niederblätterausbilden. Die Knöllchen, für die sich bereits bei Fabius Columna in der Minus cognitarum rariorumquestirpium 'excpQaais Romae 1616 unter der Bezeichnung Circaea minima eine sehr gute Abbildung findet,werden erst im Spätsommer oder Herbst angelegt und bleiben allein über Winter erhalten, während die übrigePflanze samt dem fadenförmigen Teile der Ausläufer dann abstirbt. Sie besitzen nach Kern er bis zumFrühling, wo aus ihnen neue belaubte Stengel ans Tageslicht emporspriessen, keine Wurzeln und sind nurmit zerstreuten, kolbenförmigen Saugzellen besetzt. Da aber eine Ernährung der Pflanze beim Austrieb mitdiesen spärlichen Saugzellen nicht möglich ist, so sind auch die Oberhautzellen der Knöllchen imstande,Nahrung aufzunehmen. Sie sind ausserordentlich dünnwandig und übertreffen darin noch die Saugzellen. BeiPflanzen mit reichlicher Ausläuferbildung kommt es bisweilen zu keinerlei Fruchtbildung. An Parasitenwurden Aecidium Circaeae Ces., Puccinia Circaeae Pers. und Puccinästrum Circaeae(Schum.) beobachtet.

1994. Circaea Lutetiana 1 ) L. Gemeines Hexenkraut, Stephanskraut. Franz.: Herbede St. Etienne, herbe des magiciennes, herbe aux sorcieres, circee; ital.: Erba magna.

Fig. 2257 bis 2259.

Der Name Hexenkraut (nur selten volkstümlich) ist wohl nur durch den lateinischen Namen insVolk gedrungen; aus Nordthüringen wird die Bezeichnung Oelfenblume [Elfen«] angegeben.

Ausdauerndes, 20 bis 60 (75) cm hohes Kraut mit holzigem, langgliederigem, an denGliedern mit derben Fasern besetztem Wurzelstock und gleichmässig federkieldicken, schnür»förmigen, wagrecht verlaufenden, an der Spitze knollig verdickten Ausläufern (Fig. 2257ai). Nieder»blätter frühzeitig verwesend. Stengel aufrecht, meist einfach, im unteren Teile stielrund und meistkahl, im oberen Teile undeutlich kantig und kurz flaumhaarig, brüchig. Laubblätter auf etwa 1 bis

1 ) Die Darstellung im Referat zur Christ sehen Mitteilung im Botanischen Centraiblatt. Bd. 123,Jahrg. 34, 1913, Nr. 40, pag. 392, wonach die ganze Frucht auseinanderreisst und in die Luft fliegt, ist ent«sprechend abzuändern.

2 ) Benannt nach der Stadt Paris, dem römischen Lutetia.