1988. Epilobium nütans Schmidt (= E. alpinum Willd., = E. heterophyllum Hegetschw.,= E. palüstre L. var. nutans Grab.). Nickendes Weidenröschen. Fig. 2231.
Samenpflanze einfach bewurzelt; Innovationspflanze mit kurzem, bogigem Rhizom,am Wurzelhals oberirdische, zarte, sich bewurzelnde und frühzeitig von der Mutterpflanzesich ablösende Ausläufer treibend; nur die untersten Innovationsblätter fast kreisrund, dieübrigen länglich=eiförmig mit allmählich verschmälertem Grunde. Stengel einzeln, kurz bogigaufsteigend, 5 bis 20 (30) cm hoch, unverzweigt, mit zur Blütezeit überhängendem Gipfel,im unteren Teile kahl und mit 2 herablaufenden, kahlen Linien, im oberen Teile wie dieBlütenstiele fein kraushaarig und mit meist 4 behaarten Linienversehen. Laubblätter eiförmig oder verkehrt=eiförmig, stumpf,am Rande nicht umgerollt, kahl; die unteren kurz gestieltund ganzrandig, alle folgenden sitzend, die oberen bisweilenentfernt gezähnt. Blüten klein, 5 mm lang. Krone blass»violett, etwas länger als der Kelch. Narbe keulig. Kapselnangedrückt grauhaarig, später etwas verkahlend, meist rötlichüberlaufen, anfangs nickend, später aufrecht. Samen langspindelig, an der Spitze mit durchscheinendem Anhängsel,mit äusserst feinen Warzen besetzt (Fig. 2231 b und c). —
VII bis IX.
Truppweise an feuchten, quelligen Orten in Flach»und Quellmooren, an Quellen, Bachläufen, Moortümpeln, auffeuchtem Geröll usw. Vorwiegend in der subalpinen undalpinen Stufe, seltener tiefer oder höher steigend: im Sächsi»sehen Erzgebirge zwischen 750 und 1000 m, im KantonSt. Gallen schon bei ca. 1200 m, im Riesengebirge zwischen800 und 1300 m, im Bayerischen Wald und im Schwarzwaldbis 1450 m, in den Bayerischen Alpen bis 2200 m, in Tirolbis 2000 m, in Steiermark zwisdien 1000 und 1900 m; inGraubünden zwischen 1530 und 2450 m.
In Deutschland ziemlich zerstreut in den Allgäuer Alpenund im Mittelstock, in den Berchtesgadener Alpen bisher nur auf derSagereckalpe und Götzen; in den Vogesen am Hoheneck und beiDeutsch.Lundenbühl, im Schwarzwald am Feldberg, im Bayerischen Waldmit Sicherheit nur am Dreitannenriegel, angegeben ferner vom Arber,
Rachel und Klingenbrunn, in der Rhön am Querenberg oberhalbFladungen und im Schwarzen Moor; im Fichtelgebirge wahrscheinlichfehlend 1 ), im oberen Erzgebirge verbreitet; im Isergebirge auf derIserwiese und bei Sdiwarzbach; im Riesengebirge über 800 mziemlich verbreitet (z. B. am Kleinen Teich bei der Elbbaude, auf der
Elbwiese, Kleinen Sturmhaube, in den Sdmeegruben im Melzergrund, am Zackenfall usw.), tiefer selten(Scharlach und Wüsteröhrsdorf bei Landeshut, unter den Korallensteinen im Riesengebirge, ferner auf derHohen Mense und am Karlsberg im Heuscheuergebirge. — In Oesterreich im niederösterreichischenMühlkreis bei Karlstift und am Hochwechsel im Böhmer Walde (1600 m), am Kubany (1350 m), im Erzgebirge amSchönwalder Spitzberg, bei Petsch, Pressnitz usw.; im Riesengebirge nidit selten, an der Hohen Mense, amAltvater und im Mährischen Gesenke; in den Alpen in den nördlichen und südlichen Kalkalpen sehr seltenoder ganz fehlend, in den Zentralalpen zerstreut, so in Vorarlberg, in Tirol im Inngebiet, bei Kitzbühel,Hochwart, im Gebiete des Eisack und der Drau, in Südtirol am Rittnerhorn, Schiern, Schalders usw.; in
*) Das Vorkommen von E. nutans beim Fröbershammer ist, ebenso wie dasjenige von E. alpinumnach Haussknecht äusserst unwahrscheinlich und vielleicht durch Verwechslungen mit kleinen E. palustre«Formen hervorgerufen worden.
Fig. 2231. Epilobium nutans Schmidt.a Habitus mit Ausläufern, b Samen vonder Breitseite, c von der Schmalseite (Fig. bund c nach Haussknecht).