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5,2 (1926) Dicotyledones : (III. Teil)
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beschreibt kleine fruchtbare und grosse unfruchtbare Blüten. Bisweilen werden die Blüten angebissen, z. B.von Borabüs terrestris. An den so geschaffenen Oeffnungen sind auch saugende Ameisen beobachtetworden. In milden Wintern kommt der Strauch gelegentlich schon im Januar, ja selbst im Dezember zur Blüte,wie dies 1912 zu Weihnachten auf der Jocheralm bei Kochel in 1400 m Höhe der Fall war. Die leuchtend schar-lachroten Früchte werden von Vögeln, namentlich Bachstelzen, Drosseln, Hänflingen und Rotkehlchen, gerngefressen und damit die Samen verschleppt. Diese letztern keimen rasch und vertragen keine lange Trockenruhe.Nach W. Kinzel (Naturwissenschaftliche Zeitschrift für Forst» und Landwirtschaft. Bd. XIV, 1916) wirkt derFrost nicht keimungsfördernd. Für den Menschen sind sie infolge ihres Gehaltes an Daphnin ausserordentlichgiftig, erzeugen in Mund und Hals ein brennendes Kratzen, Durstgefühl, Erbrechen, Durchfall, in schwererenFällen narkotische Nebenwirkungen mit Schwindel, Betäubung, Krämpfen und selbst den Tod. Bereits kleineWunden im Munde können sehr verhängnisvoll werden; 10 bis 12 Früdite sollen genügen, um den Todherbeizuführen. Als Gegenmittel ist Erbrechen herbeizuführen und dann ein schleimiges und öliges Getränkezu gemessen. Trotz dieser grossen Giftwirkung verwendete man früher die Früchte zum Scharfmachen desEssigs, ein Gebrauch, auf den wahrscheinlich der in Norddeutschland gebräuchliche NamePfefferstrauch"Bezug nimmt, ferner auch zum Purgieren. Im Norden sollen die Beeren auch als Schminkmittel benutztwerden. Säugetiere unterliegen dem Gifte ebenso sehr wie die Menschen. So berichtet L i n n 6, dass man mit6 Beeren einen Wolf töten könne. Ziegen, die im Vorsommer die noch zarten Laubblätter fressen, gehen

unter Blähungserscheinungen zugrunde. NachW r i g h t können Pferde durch eine Gabe von 30 ggetrockneter Laubblätter getötet werden. In derRegel ist die Gefahr für das Vieh aber nicht allzugross, da der Seidelbast meist nicht in Menge auf>zutreten pflegt. Allerdings kann er auch in derNähe von Sennhütten und an viel begangenenViehwegen bisweilen häufiger werden. Die Milchnimmt nach dem Genuss von Seidelbast einen eigen,artigen Geschmack an. In den Samen finden sichfettes Oel (Seidelbastöl, Oleum Mez6rei, das 31 °/oder Trockensubstanz ausmacht), Harz, Wachs, Spu«ren eines ätherischen Oeles, besonders Apfelsäure,Farbstoffe, das in Nadeln kristallisierte, flüchtigeCoccognin (CioHisOi) usw. Die zu Beginn desFrühjahres vom Stamme und den stärkerenZweigen abgezogene , Rinde bildet die C ö r t e xMez6rei, die wahrscheinlich schon von den Altenzu medizinischen Zwecken verwendet wurde, 1676in der Ulmer Pharmakopoe als Droge unter demNamen Thymelaea verzeichnet ist, aber neuer,dings kaum noch irgend eine Bedeutung besitzt,obgleich die Rinde in der Pharm. Helv. nochoffizineil ist. Aus 70 Teilen Rinde und 100 Teilen Alkohol wird das Extractum Mez^rei flüidum hergestellt. DieDroge besteht aus langen, bis 1 mm dicken, glänzenden, zähen, biegsamen Rindenstreifen, die aussen voneinem rotbraunen Kork bedeckt sind und innen eine gelblich weisse, seidenglänzende, feinfaserige Innenrindezeigen. Sie enthält unter anderem das schwachbittere Glykosid Daphnin (CisHieOs + HsO) und das gelbbraune,giftige, harzige Anhydrit der Mereinsäure. Man benutzte die Rinde früher innerlich gegen syphilitischeKrankheiten, rheumatische und gichtische Beschwerden, äusserlich als Kaumittel bei Lähmung der Zunge, alsstarkes Hautreizmittel zu reizenden Umschlägen, wie übrigens alle Teile der Pflanze, wenn sie gequetscht aufdie Haut gebracht werden, Blasenbildung hervorrufen. Nach älteren Arzneibüchern war die Seidelbastrindeauch ein Bestandteil des unter Zusatz von spanischen Fliegen, Euphorbium=Gummiharz und trocknendenOelen hergestellten Ohrenpflasters, des sog.immerwährenden spanischen Fliegenpflasters", das unter demNamenDrouottisches Pflaster" heule noch als ableitendes Mittel gegen Zahnschmerzen, Kopfweh, Blutandrangbegehrt wird. Der in Weingeist erhaltene Auszug wird Pflastern und Salben gegen Rheumatismus und Gichtzugesetzt. Die Homöopathie bereitet daraus die Mezereumessenz, die innerlich gegen Syphilis, Flechten,Magenkrebs und Knochenfrass Anwendung findet. In der Volksmedizin dient der Seidelbast etwa denselbenZwecken. Aus dem Thurgau wird ausserdem berichtet, dass Baststückchen, mit Spiritus angefeuchtet, denSchmerz offener Wunden stillen, die gepulverten Laubblätter mit Honig vermengt, die Haut vonGeschwüren reinigen und in Essig gebeizte Stengel, mit Zucker und Süssholz eingenommen, gegen