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88. Farn. Cactäceae 1 ). Kakteengewächse.
Ausdauernde Fettgewächse (Erd= und Ueberpflanzen) mit dickfleischigen (sukkulenten),kugeligen, keulen=, prismen» oder säulenförmigen, kantigen oder drehrunden, einfachen oderverzweigten Stämmen und Aesten, seltener mit dünneren, blattartig=flachen, zylindrischen, ge=flügelten, oft eingeschnürten Sprossgliedern, zuweilen baumartig, öfter gehäuft. Sprossachsenoft kantig, kerbig gerippt, mit Höckern und Warzen bedeckt; letztere in geraden oder spiraligangeordneten Reihen stehend. Assimilierende Laubblätter nur selten (Peireskia) normal aus»gebildet, in der Regel stark zurückgebildet und frühzeitig abfallend, in den Achseln Haar»,Woll=, Dorn» oder Stachelbüschel tragend. Blüten aus der Spitze der Warzen oder aus denAchseln der Blattschuppen hervorgehend, allermeist einzeln, seltener zu mehreren oder eineendständige, vielblütige Rispe bildend (Peireskia), meist gross und auffällig gefärbt, hemi=zyklisch, in der Regel radiär, seltener i zygomorph (Epiphyllum ; vgl.
Fig. 2111 b), mit langer, röhrenförmiger Achse. Kelch und Krone (wie beiNymphaea) nicht deutlich getrennt, beide ineinander übergehend, spiralig an=geordnet, ein präsentierteller», trichter» oder radförmiges Perianth bildend, nurab und zu die äusseren Perianthblätter kelchartig. Staubblätter gewöhnlichzahlreich (Fig. 2107 1), der Perianthröhre meist angewachsen, häufig + reiz=bar. Fruchtknoten unterständig, aus 3 bis vielen (8) Fruchtblättern gebildet,
1 = fächerig, aussen nackt oder beschuppt, an den wandständigen Plazentenzahlreiche mit 1 oder 2 Integumenten versehene Samenanlagen tragend;letztere an meist langen, zuweilen büschelig miteinander verbundenenNabelsträngen (Fig. 2107 f, g). Griffel einfach, lang, meist hohl, mit mehrerendeutlichen Narben. Frucht fleischig, saftig, beerenartig, seltener trodcen=kapselähnlich, glatt oder dachig beschuppt, mit meist zahlreichen zu=sammengedrückten Samen. Nährgewebe fleischig, spärlich oder ganzfehlend. Keimblätter blattartig (Fig. 2103), sehr klein bis fehlend (Fig. 2104) ;
Keimling gerade oder gekrümmt oder zylindrisch, zuweilen fast voll=kommen ungegliedert.
Die Familie umfasst über 1200 Arten und ist mit ganz wenigen Ausnahmenauf Amerika beschränkt und zwar zum allergrössten Teile auf die trockeneren Distriktedes Kontinentes. Im Norden (Kanada) reichen die Kakteen bis zum 53.° nördl. Breite(Opuntia Missouriensis DC.), im Süden (in Palagonien und bis zur Magelhaenstrasse) y"'^ 103 ' £eimpbis zum 52.° südl. Breite (Maihu6nia [Opüntia] Patagönica Philippi, Opüntia austrälis P "" ' %.) mülWeber). Das Hauptverbreitungsgebiet der Familie liegt in den südwestlichen Staaten' der Union (Colorado, New.Mexiko, Arizona, Texas) sowie in den nördlichen Staaten von Mexiko, wo die Kakteengeradezu Charakterpflanzen der Landschaft darstellen, also in trockenen, regenarmen und meist ziemlich hoch»gelegenen Gebieten; auch die kalifornische Hochebene (Mohave und Colorado desert) weist sehr viele Artenauf, ebenso die trockenen Campos von Brasilien. Im Hochlande von Mexiko und in den Gebirgen von Colo»rado lassen sich einzelne Arten der Gattungen Opüntia, Neomammilläria und Echinocäctus bis in Höhen von3600 m (Neomammilläria elegans [DC.], N. vötula [Mart.], Pediocäctus Simposönii [Engelm.] Britton et Rose) ver>folgen, in der hochandinen Grassteppe von Bolivien, Argentinien und Chile sogar bis 4500 m (Rebütia FiebrigiiGürke, R. pseudominüscula [Spegazzini], Opüntia floccösa Salm.Dyck und O. lagöpus Schum.). So ist esauch verständlich, dass einzelne nordamerikanische (besonders aus Colorado) Opuntia.Arten in Deutschlandim Freien zu gedeihen vermögen und sogar verwildern können. In Kalifornien und Mexiko bilden die bäum«förmigen, bis 20 m hoch werdenden Cereus.Arten ganze Dickichte, „Cardonales" geheissen, ebenso in den Llanosvon Venezuela (Fig. 2108), hier „Tunales genannt. Während die trockenen Gebiete ausschliesslich erdbewohnendeArten aufweisen, beherbergen die feuchteren Gegenden von Südmexiko, Zentralamerika und Brasilien vorallem epiphytische Formen mit Luftwurzeln aus den Gattungen Phyllocäctus, Rhipsalis, Hariota, Pfeiffera und
') Griech xdxrog [käktos] bezeichnete bei den Griechen eine nicht genau bekannte stachelige Pflanze(angeblich die Artischoke); vielleicht indirekt von xaxis = schlecht (mit Bezug auf die Stacheln).