Nachträge und Ergänzungen. 233
Silber (S. 197). In den Alpengegenden enthalten die Namen vieler Orte denBestandteil Katsch (ahd. chat), und an allen solchen findet oder fand sich Silber,so daß die Gleichsetzung von Silber mit chat naheliegt. Einige Forscher denkenbei diesem Worte an die Sprache der Basken, die vermutlich, wie man aus denOrtsnamen schließen darf, einst auch Corsica, Südfrankreich und Teile der Alpen-länder bewohnten, und bringen sie in Verbindung mit den Sprachen hamitischerVölker; wie z. B. die spanischen Iberer „Neustadt" Iliberris nannten (koptischbrre = neu), so könnte man bei chat das ägyptische und koptisch-sahidische hat,sowie das unterägyptische chat = Silber anführen. Das Silber wäre also in diesemFalle den Alpenbewohnern schon vor der Einwanderung der Indogermanen be-kannt gewesen, also sehr frühzeitig. In der Regel nimmt man allerdings an,daß es außerhalb der klassischen Länder erst in der Hallstadtzeit auftauchte,etwa zugleich mit dem Eisen. Im Gothischen heißt es silubr, im Altslavischensirubre, im Altpreußischen siraplis, im Litauischen sidadros, wozu man dasgriechische otdrjgos (sideros) für Eisen vergleichen kann, denn in vielen Fällenwurden die Namen der verschiedenen Metalle ursprünglich nicht scharf getrennt(Wessely , Brief vom 13. Dez. 1930).
Das Wort argentum, das der Bezeichnung des Silbers im Lateinischen undmehreren romanischen Sprachen zugrunde liegt, soll dem Keltischen entstammenund „glänzend, strahlend" bedeuten, s. den alten Namen Straßburgs ,, Argen-toratum", den des höchsten sardinischen Gebirges „Gennargentu" usf.
Turba Philosophorui» (S. 212). In einem ganz kürzlich aufgefundenen zu-gehörigen (arabischen) Texte wird eine abermalige „Synode der Pythagoreer"geschildert, bei der u. a. die „Tetraktys" (s.S. 171) eine große Rolle spielt, undneben Alchemisten und Philosophen, zu denen hier auch Proklos zählt, nochverschiedene Mathematiker auftreten ( Ruska , Brief vom 13. Dez. 1930).
Van Helmont (S. 217). Seine Tätigkeit und Bedeutung wenigstens nach dermedizinischen Richtung in günstigeres Licht zu stellen, versucht neuerdingsW. Pagel . Als Wesen seiner Leistung bezeichnet er die Aufstellung einer idea-listisch-spiritualistischen Naturphilosophie auf dem festen Boden empirischerGrundlage. Zuzugeben ist, daß er deren Grundpfeiler dem Pabacelsus entlehnte,nicht ohne Vergewaltigungen und Mißverständnisse [nach Sudhoff auch nichtohne Unaufrichtigkeiten]; daß er seine Lehre von der alleinigen Bildung undErnährung der Pflanzen mittelst Wassers dem Nicolaus Cusanus entnahm,hält Pagel nicht für erwiesen („A. Med." XXIV, 19, 20, 23, 42; 1931).
Ziffern (S. 154, 222). Sehr alte Beispiele für die Anwendung indischer Ziffernergeben die arabischen Papyri des Wiener „ Papyrus Rainer "; vgl. den „Führerdurch die Sammlung der Papyrus Erzherzog Rainer", Wien 1894 (Wessely).
(Abgeschlossen am 18. Januar 1931.)