Rätsel, alohemistische — Räzi (Al-Räzi). 181
R.
Rätsel, alchemistische.
Eine größere Anzahl solcher verfaßte Psellos (s . diesen), und es ist nicht aus-geschlossen, daß die noch vorhandenen überhaupt auf ihn zurückgehen 1 .
Rasuchteh.
Dieses Wort ist nicht, wie Berthelot annahm, aus dem lateinischen „aesustum" (gebranntes Kupfer, Kupferoxyd) entstellt, sondern aus dem gleich-bedeutenden persischen ,,rui suchteh" umgebildet und lautet im Arabischen ur-sprünglich „räsecht" 2 .
Räzi (Al-Räzi).
Dieser nach vielen Richtungen höchst bedeutende Arzt, Forscher und Gelehrtewurde, wie Retstca aus Al-B1b.üni's Angaben nachwies, 865 geboren 3 und starb925. Es ist möglich, daß er ein Schüler des vortrefflichen persischen Arztes ' AlIIbn Rabban At-Tabaei war 4 , und jedenfalls schöpfte er, entgegen früheren An-nahmen, nicht unmittelbar aus griechischen Quellen und schwerlich aus denSchriften des Dschäbib (die erst gegen und nach 900 abgefaßt sind), sondernhauptsächlich aus den Lehren der nestorianisch-syrischen und persischen Vor-gänger in Gondisapur, Merw, Balkh, Samarkand, Khwaresm usf.; hieraus erklärensich seine zahlreichen persischen und syro-persischen Benennungen von Geräten,Behandlungsweisen und Stoffen, u. a. auch solcher, die den Griechen noch un-bekannt waren, wie die des Nüschädirs (des Salmiaks, s. diesen) 5 . Obwohl zu-nächst Arzt, beschäftigte sich Al-Räzi doch auch eifrigst mit Chemie und Al-chemie, gab diesen auf Grund eigener Versuche und praktischer Arbeiten zumTeil einen ganz neuen Inhalt und blieb daher auf lange Zeit hinaus maßgebendbetreffs vieler Präparate und Vorrichtungen 6 ; zu letzteren zählen u. a. der offeneBecher qadah (persisch gäm), die „Zuckerschale" (sukkuruga) und die Naphtha»lampe naffata, nicht aber, wie irrtümlich behauptet wurde, die Retorte, die viel-mehr den Arabern bis in das spätere Mittelalter hinein unbekannt blieb 7 ; anMaßen und Gewichten erwähnt er das Rathl oder Rithl (vom griechischen Uiqu,litra, d.i. 1 Pfund), denDirhem (vom griechischen Drachme), dieUqija, d.i. 1 Unze 8 .
Ein Verzeichnis des Al-BIbüni (s . diesen) nennt unter den Werken Al-RAzIsnicht weniger als 21 chemischen Inhaltes, von denen aber auch die erhalten ge-bliebenen, z.B. das,,Kitäb sirr al-asrär" („Buch des Geheimnisses der Geheimnisse";schon im „Fihrist" aufgeführt), bisher nur unzureichend durchforscht sind. Vongroßer Wichtigkeit zur Kenntnis seiner Errungenschaften ist daher eine in derBibliothek des Fürsten von Rämpür (Ostindien) kürzlich aufgefundene Hand-schrift 10 , eine 1283 in Mesopotamien und Kleinasien hergestellte Kopie dreier inhalt-lich verwandter Bücher (oder umfangreicher Auszüge aus ihnen), derenSprache klar,
1 Bidez , „M. A. G." (Brüssel 1927) II, 212.
2 Lagercrantz, „M. A. G." (Brüssel 1924) III, 33. Ruska , „Arabische Alchemisten"(Heidelberg 1924) II, 79; „Chz." XLIX, 2 (1925).
3 „Isis" V, 32 (1923); Heyerhof , „M. G. M." XXIX, 278 (1930). — 4 Ebenda 278.
5 Ruska , Z. ang." 1922, 719; „Deutsche Liter.-Ztg." 1923,119; „Islam" XVII,285ff.
(1927). — 6 Rtjska , a. a. O. — 7 Ruska , „Chemische Apparatur" X, 137 (1923).
s Ebenda. — 0 Ruska , „Isis" VI, 47 (1923).
10 Stafleton , Azo u. Hidayat Hcsain, „M. As. S." VIII, 317 (1927).