Persien (frühes) — Persische Einflüsse auf die Naturkunde der Araber. 159
über sie nur vom Hörensagen; nach Rom gelangten Perlen erst um 200 v. Chr.aus den hellenistischen Reichen und in größeren Mengen nicht vor der Kaiserzeit,zu der man sie aus Persien und Indien einhandelte, nach Plinius 1 u. a. gegenmetallisches Blei. Der lateinische Ausdruck unio für eine besonders große Perlebedeutet soviel wie „Unikum" 2 . Die schöne Sage von der Entstehung der Perlen,die der „ Physiologos " (um 400 n. Chr.) mitteilt, ist indischen Ursprunges undwurde durch hellenistische Überlieferungen lebendig erhalten, vermutlich schondurch solche bei Bolos Demokritos 3 .
Das deutsche „Perle" leitet sich nach Grimm 4 vom ahd. perala ab, und dieseswieder von Berillus (ßrjQv/.Xog), dem Namen des Edelsteines, der gleichfalls ausIndien kam, und zwar (nach Pischel ) aus dem in Nordwesten gelegenen Landeder Beryller.
Persien (frühes).
Seine Kultur geht in wesentlichen Punkten auf die Assyriens und Urartuszurück; dieses armenische Königreich war schon frühzeitig mit Bergbau, Ge-winnung und Verarbeitung der Metalle und kunstgewerblicher Technik (z. B. Her-stellung mit Email eingelegter Stücke) vertraut. Bereits bei Zerstörung der dortigenStadt Musasir durch S aegon II. (715 v. Chr.) war, nach dessen Inschriften, dieBeute an rohen und bearbeiteten Metallen, auch an Gold, Silber und Bronze,geradezu unermeßlich 6 .
Persische Einflüsse auf die Naturkunde der Araber.
Nachdem das Christentum im byzantinischen Reiche den endgültigen Siegüber die religiöse Hermetik, die Astrologie und die Alchemie errungen hatte,flohen deren Anhänger in das sassanidische Persien, wo sie sich zum Teil langeZeit erhielten, wie z. B. die Ssäbier zu Harr an 0 . Ihre Hauptsitze waren die fürVerfolgungen vom Westen her unerreichbaren nördlichen und östlichen Groß-städte, wie Merw, Balch, Chiwa, Bochara, Samarkand 7 ; in diesen betrieb manschon im 7. Jahrh. nach reger, zum Teil wissenschaftlicher Art Astronomie,Medizin, Mineralogie, Astrologie und Alchemie 8 , man übersetzte selbst astro-nomisch-astrologische Werke wie die des babylonischen Teukiios und des lateini-schen Vettius Valens ins Mittelpersische (Pehlewi) 9 , verfaßte aber auch eineganze Anzahl gefälschter, pseudepigraphischer Schriften 10 . Aus den genanntenStädten kamen seit etwa 750, ganz so wie Ärzte aus Gondisapur, auch Astronomen,Mediziner, Astrologen und Alchemisten nach den neuen, vom Islam geschaffenenBrennpunkten geistigen Lebens 11 und verpflanzten dahin ihr Wissen und ihreKenntnisse; diese Übermittelung war mindestens ebenso tiefgehend und folgen-reich wie die bisher fast allein beachtete von syrischer Seite her und erklärt esu. a. auch, daß z. B. die Namen von Salzen, Alaunen, Vitriolen, Boraxen, Edel-steinen und Mineralien in den ältesten arabischen Werken in persischer Spracheauftreten 12 . Weiterhin verflochten sich dann, wie dies Blochet in mehrfacher
1 XXXIV, 113. — 2 B ommel, PW. XIV, 1682. — 3 W ellmahn , „Physiologos", 93.
* „Gesch. d. deutschen Sprache", 162. — 5 H emfeld , „Islam" XI, 128ff., 136 (1921).
« R tjska , „Tab. Smar." 36, 176; vgl. „A. Nat." X, 112 (1922).
7 Ebenda 167, 175, 176. — 8 Ebenda 45, 46, 167 ff. — 9 Ebenda 169.
i° Ebenda 171. — 11 Ebenda 167ff., 175. — 12 Ebenda 171ff.