Indigo — Ionische Philosophie.
117
v. Chr. lebte; alle seine sonstigen Wandlungen sind weit jüngeren Datums, diezum Gotte der Heilkunst beginnt sogar erst gegen 550 v. Chr.
Indigo.
Die ältesten mit Indigo gefärbten Reste sind ein Stück Stoff vom Gewändeeiner ägyptischen Prinzessin um 1000 und ein Wollfetzen aus einem Sarkophagum 300 v. Chr.; in Oberägypten und Nubien ist, Schweinfurth zufolge, Indigo-fera tinctoria nicht heimisch, wohl aber die nahe verwandte I. argentea, von dereine Varietät, I. coerulea, auch in Indien vorkommt; was Plinhjs vom See-geruche des Indigos berichten soll, bezieht sich vielleicht gar nicht auf diesePflanze 1 .
Die Ableitung des Namens Indigo vom ägyptischen dinkon ist nach Lowunwahrscheinlich, zumal I. tinctoria selbst nach Westasien erst durch die Araberkam 2 .
Indische Literatm*.
Einen ausführlichen Einblick gestattet die nunmehr vollendete große „Ge-schichte der indischen Literatur" von Winternitz 3 , auch hinsichtlich der Natur-wissenschaft und Phdosophie; betreffs letzterer, als deren älteste Systeme Sämkhyaund Yoga anzusehen sind 4 , vgl. die „Indische Philosophie" von Strauss 5 . Überdas „Vai9ecika -System" berichtet Faddagon 6 , über die spätgriechischen Ein-flüsse Banarjees „Hellenism in ancient India" 7 .
Unter den medizinischen Handschriften sind besonders bemerkenswert die inTurfan aufgefundenen aus der Zeit gegen 200 n. Chr., die u. a. die Grundstoffe,die wichtigsten Geschmäcke der Arzneimittel und die zehn Arten der „rasa"erörtern, d. h. der Heilsäfte, die Krankheiten vertreiben und gesundes Lebenverbürgen 8 .
An eigener Geschichtschreibung fehlte es den Indern nicht so gänzlich, wieman noch vor kurzem annahm, doch ermangeln ihre Schriften durchaus deseigentlichen historischen Sinnes und vor allem des Strebens nach klarer Zeit-rechnung und unbedingter Wahrheit 9 .
Ionische Philosophie.
Als wesentliche Anschauungen hebt Ganszyniec hervor 10 : Bei Thales dienahe Verwandtschaft des „Wassers" mit dem tierischen Samen; bei Anaximanderdie Gleichsetzung von Bewegen und Erzeugen, sowie die Betrachtung des „Apei-rons" als des großen Sammelplatzes für Werden und Vergehen; bei Anaximenesdie Gleichsetzung von Bewegen und Leben, von Luft und Lebensseele, von Atemmit Psyche, Pneuma und Hauch, sowie die Annahme einer Psyche des Kosmos,einer Weltseele. Viele dieser Voraussetzungen mögen ursprünglich babylonischer
1 Rathgen , „Chz." XLV, 1101 (1921). — 2 „Zeitschr. f. Semitistik" I, 122 (1922).
3 Leipzig 1908ff. — 4 Garbe , „Bhagavadgitä" (Leipzig 1921), 38. Jacobi , „Ber. d.
Akad." (Berlin 1929), 581: Über Herkunft und Entwicklung des Yogasystems.
5 München 1924. — 6 „Amsterd. Akad." 1918.
' Caloutta 1920; vgl. „M. G. M." XXI, 207 (1922).
s L üders , „M. G. M." XXVI, 135 (1927). — 8 G oetz , „M. G. M." XXIV, 75 (1925).
io „A. Nat." IX, 1 (1922).