Print 
2 (1931) Ein Lese- und Nachschlage-Buch
Place and Date of Creation
Page
114
URN (Page)
  
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

114

Homer Horapollon.

Sehr verbreitet sind die Vorstellungen von der Himmelfahrt bei den Ver-fassern der A pokrypheh , die vom Aufstiege des H enoch, J esaias, B arttch u. a.berichten, ferner bei den mithras -Verehrern, bei denen diemithrische Klimax",d. i. diemithrische Leiter", eine bedeutsame Rolle spielt 1 . Auch anläßlich derHimmelfahrt M uhammeds , bei der, wie noch der persische Dichter N izämi (gest.1198) bestätigt, der Prophet in jeder Planetensphäre eine der bösen irdischenEigenschaften ablegte 2 , vernehmen wir von derHimmelsleiter"; man berechnetesogar deren Höhe von der Erde an bis zur obersten Sphäre, und nach einer Stelledes K orans vermögen Engel und reine Geister den Himmel auf ihr im Laufe eineseinzigen Tages zu ersteigen, der aber freilich der Länge von 50000 gewöhnlichenJahren gleichkommt 3 ! Verwandten Anschauungen begegnen wir auch in derpersischen Legende von der Himmelfahrt des A rda V iräf , die frühestens im6. Jahrh. n. Chr. niedergeschrieben sein dürfte 4 .

Homer.

Die später so beliebten und einflußreichen allegorischen Auslegungen H omersbeginnen schon zur Zeit des P laton 8 . Nach K rates von M allos (geb. um 200)ist H omer voll geographischen und astronomischen Wissens, und wenn er z. B.Z eus den H ephaistos auf die Erde herabwerfen läßt, so deutet er einen Versuchan, die Größe der Welt auszumessen; für seinen Schüler Z enodotos ist H omer,seiner astronomischen Kenntnisse halber, ein Chaldäer 6 . In gleichem Kreise be-wegen sich im 1. Jahrh. v. Chr. die Deutungen des H eraklit 7 und im 2. n. Chr.die des K ronios , eines Vorläufers der Neuplatoniker, der auch schon Männlichesund Weibliches in Parallele mit Seele und Leib setzt 8 . H eliodoros (3. Jahrh.)erklärt H omer für einen Sohn des H ermes und der Gattin einesProphetes", d. i.eines ägyptisch-hellenistischen höheren Priesters 9 ; der gleichzeitige L ukianos emp-fiehlt das Hersagen gewisser seiner Verse als Mittel gegen Augenkrankheiten 10 , undin einemZauberpapyrus gegen 300 benutzt man sie zwecks Befragung der Zukunft 11 .

Eine gewisse Kenntnis H omers ist auch bei den Arabern vorhanden, dennschon D schabir weiß im 9. oder 10. Jahrh. von einem A müras dem Dichter" 12 ,und unter dem nämlichen Namen führt ihn im 11. Jahrh. auch A l- B irüni wieder-holt in derIndia" an 13 .

Weitaus späteren Autoren sind gewisse allegorische Auslegungen ebenfallsnicht ganz fremd, so H ebelin (16041676), der als einer der ersten die homeri-schen Epen für Kompilationen aus sehr verschiedenen Zeiten erklärte 14 .

Horapollon.

Sein für die Überlieferung sehr wichtiges WerkHieroglyphica", von etwa400 n. Chr., ist nicht aus dem Ägyptischen übersetzt, sondern geht hauptsächlichauf eine gleichnamige Schrift des B olos D emokritos zurück (s. diesen) 16 .

1 Eisler , ebenda; Horovitz ,Islam" IX, 165 (1919).

2Haft Paikar", übers. Wilson (London 1924); Islam" XV, 113 (1925).

3 Horovitz , a. a. O. 176. 4 Scheftelowitz,A. Rel." XIX, 213 (1921).

5 Müller, PW. Suppl. IV, 17. Eisler ,Orph.-Dion." 82.

6 Kroll, PW. XI, 1638; vgl. VIII, 2197. 7 Eisler , a. a. O. s P EA echter, PW.

XI, 1978. » Feis,M. G.M." XX, 95 (1921). 10Charon" VII; Pfister, PW. Suppl. IV,

332. ii Wessely , ebenda 52. 12 Ruska , bei Bugge 1,18. 13 Übers. Sachau (Lon-

don 1910). 14 Ed. Magnien (Paris 1925);Isis" VIII, 528 (1925).

15 Wellmann ,Physiologos" (Leipzig 1930) 63.