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Dschäbir.
sieht fest, man habe es bei D schäbir — um ein Wort S teinschneiders von 1871zu gebrauchen — mit einer „völlig mythischen Figur" zu tun.
Ein Rückschlag in dieser Beziehung trat erst im Laufe des letzten Jahrzehntesein; wie nämlich H olmyard 1 und zu gleicher Zeit auch S tapleton 2 ermittelten,sollte sich aus dem „Buch der Berichte" des A l- D 'inawab'i (gest. 895) ergeben,daß D schäbir ein Sohn H ayyans des Drogisten war und 721 oder 722 zu Tüsgeboren wurde, während sich sein Vater zugunsten der Abbasiden politisch inChoräsän betätigte; hiernach bestünde sein Beiname Al-Tusi zu Recht, und eszeigte sich auch, entgegen geäußerten Zweifeln 3 , daß er sehr wohl den Umgangdes berühmten Imäms (= Führers, geistlichen Oberhauptes) D scha' far A l-SA diq (gest. 765; s. diesen) genossen haben könnte, von dem er als von seinemLehrer spricht 4 . Da dieser indessen ein Theologe mystischer Richtung war,ließen sich die Beziehungen zu ihm freilich nur als geistliche, allenfalls als religiös-philosophische denken 6 ; sein Wissen über Medizin, Alchemie, Astrologie undandere Fächer müßte dagegen D schäbir im nordöstlichen Persien erworbenhaben 6 , hauptsächlich wohl bei den dortigen Ärzten (die selbst wieder unternestorianischen Einflüssen erzogen waren), nicht aber unmittelbar aus dersyrischen Tradition 7 . Als fraglos anzusehen ist es, daß er insbesondere aufmedizinischem und chemischem Gebiete sehr erhebliche und weitgehende Kennt-nisse besaß, daß er mit Astrologie, Mystik usf. zwar vertraut war, die Auswüchsedes Okkultismus aber verwarf und sich durch sie in seinem Streben nach wissen-schaftlicher Erkenntnis nicht irremachen ließ 8 . Dieses Verhalten bewährte er imLaufe einer langen Lebenszeit, die sich bis 800 oder 804 erstreckt haben soll 9 ,durch eine große Anzahl von Werken (hunderte?) aus den verschiedensten Ge-bieten.
Den Nichtorientalisten wurden zunächst jene 9 Schriften bekannt, derenfranzösische Übersetzung B erthelot und seine Mitarbeiter herausgaben; aberihre Auswahl war eine unglückliche und unzureichende 10 , um so mehr, als dieEchtheit bei einigen zu bezweifeln, bei anderen bestimmt zu bestreiten ist 11 , soz.B. beim sog. „Buch des Mitleides 12 " und beim „Buch der Waage" oder „Buchvon der Wissenschaft der Waage", das übrigens nicht von Gewichtsverhältnissenhandelt, sondern von Vorstellungen über die Gleichgewichte zwischen den vierElementen 13 .
i „llepmann -Festschrift" 28 (1927). — 2 „M. As. S." VIII, a. a. 0. (1927).
3 Ruska , „A. Med." XV, 53 (1923).
4 Holmyard , „Science Progress" 1923, Nr. 63, 66. — „Proc. Soc. Med." XVI, 46
(1923). — „lippmaxn -Festschrift" 28.
5 Ruska , a. a. 0.; ferner „lippmann -Festschrift" 38; „Islam" XVI, 265 (1927) undXVII, 280ff. (1928); bei Bugge , a. a. 0. 18ff.
6 S. weiter oben: „Alchemie in Persien". — E tjska , „Arch." XII, 163 (1930).
7 Ruska, „A. Med." XV, 53 (1923); bei Bugge , a. a. O., 24.
8 Holmyard , a. a. O.; Ruska , a. a. O.; ferner „Islam" XIV, 100 (1924). — 9 804 nach
Dschildaki. — 10 Holmyard , „Isis" VI, 479 (1923). — 11 Ruska , „A. Med." XV, 53
(1923); bei Bugge 22.
12 Dieses findet sich in lateinischer Übersetzung als „ Liber misericordiae " in einem Flo-rentiner Codex des ausgehenden 13. Jahrh. neben den lateinischen Werken des sog. Geber:
Darmstaedter, „A. Med." XVII, 181 (1925). — 13 Ruska , „Chemische Apparatur" X,
137 (1923).