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2 (1931) Ein Lese- und Nachschlage-Buch
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Alkohol.

setzte 1 [was allerdings viel zu spät ist]. Über den Erfinder, seine Herkunft undWohnstätte, sowie über die Einrichtung der Apparate spricht er sich nicht weiteraus, auch ist nicht zu ersehen, ob er seine Schlüsse auf Grund eigener Forschungenzog oder sie etwa irgendeinem älteren Vorgänger entlehnte.

Ebenfalls unzutreffend ist die Behauptung, die Inder hätten den Alkoholschon seit alter Zeit gekannt, denn noch die frühmittelalterlichen Quellen(5. Jahrh. und später) lassen das Gegenteil erkennen 2 ; soweit medizinischeWerke vom Destillieren sprechen, insbesondere von dem des Weines, wie diedem Susbuta und dem Charaka zugeschriebenen 3 , handelt es sich um ganz späteInterpolationen, was z. B. bei Susbtjta schon der Zusatz „in der Heilkundebekannt" deutlich erweist.

Hinfällig sind endlich auch die Vermutungen hinsichtlich der alten Literaturder Juden: obwohl z. B. in Palästina in nachbiblischer und talmudischer Zeitreichliche Mengen Feigenhonig und eines aus ihm bereiteten gegorenen Ge-tränkes vorhanden waren, wird doch der Herstellung des aus Feigen-, Rosinen-wein u. dgl. abdestillierten Alkohols nicht vor dem 16. Jahrh. gedacht 4 , und auchim übrigen taucht die Kenntnis dieser Kunst erst im späten Mittelalter auf, undzwar zuerst bei den Juden Italiens 5 .

Daß die Destillation des Weingeistes in Süditalien, etwa zu Beginn des12. Jahrh., entdeckt wurde 6 , gilt jetzt für eine allgemein anerkannte Tatsache,die besonders auch Sudhoff als solche anführt 7 . Zu den Autoren, die das „bren-nende Wasser" (aqua ardens) aus Wein und Terpentin bereits im frühen 13. Jahrh.erwähnen, gehört der am Hofe Kaiser Fbiedbichs II. tätige Michael Scotus(s. diesen), sofern dessen „Alchemia" um 1230 abgefaßt ist, was nach einer inCambridge vorhandenen Abschrift aus dem 13. Jahrh. glaubwürdig erscheint 8 .Neben den genügend bekannten Autoren letzteren Zeitalters (u. a. AlbebtusMagnus 1193—1280, Thaddeo Aldebotti 1223—1303, Vitalis de Fubno 1247bis 1327, Arnaldus von Villanova 1250—1311 oder 1315) 9 spricht auch PetbusHispalensis aus Lissabon (1210?—1277), der zumeist in Italien tätig und zuletztals Johann XXI. Papst war, vom brennenden und vom Lebens-Wasser (aquaardens, aqua vitae) 10 , und ein Manuskript, das vielleicht aus der nämlichen, viel-leicht aber erst aus späterer Epoche herstammt, bezeichnet als dessen Erfinderden „Vater Hebmes " 11 . Zweifelhaft bleibt die Entstehungszeit der griechischenalchemistischen Handschriften, die des brennenden Wassers (tid'icjg xavarixör),des Lebenswassers ( uÖwq £iürjg), sowie der Destillation des Alkohols und derMineralsäuren Erwähnung tun 12 ; sie müßte aber noch in das 13. Jahrh. verlegtwerden, falls aus ihnen Mabcus Gbaeous schöpfte 13 , dessen Rezept auch in anderenWerken wiederkehrt, z. B. im „ Libeb clabitatis totius alkimicae abtis"(erhalten in einem Bologneser Codex des 14. Jahrh. und fälschlich dem sog.

1 „Annales Academiae Juliae" (Helmstaedt 1725) 63. — 2 Lippmann , „Chz ."LI, 1 (1927).

3 Susruta , übers. Bhishagratna (Calcutta 1907ff.) I, 460ff.; X, 365. Charaka,

übers. Kaviratna (calcutta 1892ff.) 262, 1115, 1615, 1668ff.; 1226; 294, 1580.

* Low, „Flora" I, 245. — 5 Ebenda I, 114, 131. — 6 Lippmann , „Beiträge .. ." (Berlin

1923) 56ff. — 7 „A. Med." XXI, 287 (1929). — 8 Singer , „Isis" XIII, 13, 14 (1930). —

9 Lippmann , a. a. O.; Thorndike II, 798.

10 Thorndike II, 500. — 11 Ebenda II, 219; erhalten ist nur eine Abschrift von 1432. —

12 „M. A. G." II, 172; 179, 249. II, 256. — 13 Lippmann , a. a. O. 81.