Africanus — Agathodaimon. 5
Wellmann das Wort als schon den Altpythagoreern geläufig 1 ; seine Umschrei-bung durch okuag (Holkas = Lastschiff) in den Fragmenten des Philolaos(s. diesen; sie sind nachplatonischen Ursprunges) geht jedenfalls auf eine weitältere Tradition zurück, die damit zusammenhängt, daß der nach ehemals üblichenVorschriften berechnete Zahlenwert von oÄxag 55 beträgt, also ebensoviel wie derdes 'evdv^ia (Endyma) genannten sakralen Sternen- oder Himmelsmantels (vgl.den Namen Endymion) 2 .
Africanus (Sextu.s lulius).
Dieser in Jerusalem geborene und gegen 300 n. Chr. verstorbene Autor ver-faßte die „Kesten" (nsoröi), eine Art Realenzyklopädie in 24 Büchern, derentechnische, noch von jedem Mystizismus freie Vorschriften zum Teil auf die sog.„Färbebücher" des Bolos von Mende (um 200 v. Chr.) und des Anaxilaos (um100 v. Chr.) zurückgehen (s. diese) 3 ; sie waren von großem Einflüsse auf die Folge-zeit, u. a. auch betreffs der „ Chemischen Papyri ", des Leideners und desStockholmers (Holmiensis), welcher letztere (abgeschlossen gegen 300 n. Chr.)den Aerikanos und Anaxilaos ausdrücklich als Quellen erwähnt.
Auszüge aus Aerikanus finden sich auch noch in byzantinischer Zeit, u. a. beiPsellos (1018?—1098; s. diesen) und in den landwirtschaftlichen Schriftennamens „Geoponika" 4 ; sie fehlen aber nach Fehrle 5 in den syrischen, armeni-schen und aus dem Persischen angefertigten arabischen Übersetzungen dieserSchriften, denen offenbar bedeutend ältere griechische Texte zur Vorlage dienten.
Die Bezeichnung des Africanus als eines Babyloniers im Pariser Codex 2286beruht, wie Bidez zeigte, auf einer Verwechslung 6 .
Agathodaimon.
Dieser Name, vielleicht zu identifizieren mit dem des „ Theos Agathös " (desguten Gottes) 7 , ist ursprünglich der Kultname eines alten, wahrscheinlichböotischen Gottes 8 , und analog gebildet wie jener der „ Agathe Tyche ", derGlücksgöttin 9 ; beide besaßen gemeinsame Heiligtümer, so beim Orakel des Tro-phonios zu Lebadeia in Böotien, aber auch anderwärts, und zwar in der Eigen-schaft eines Ackersegen spendenden Götterpaares von chthonischem (die Erde be-treffendem) Charakter 10 . Im Zusammenhange mit Agathodaimon als Namen einerin Ägypten heimischen (ungiftigen) Schlange 11 , die gleichfalls chthonischen Cha-rakter trug (wie die Schlangen so vielerorts), wurde der Gott bei der BegründungAlexandrias zum Stadtgott erhoben 12 ; als solcher erlangte er in der hellenistischenUn d synkretistischen Zeit den Ruf eines großen Offenbarungsgottes, eines Herrn
1 „Arcli." XI, 160 (1929). — 2 Eisler , a. a. 0. 171.
3 Wellmann , „Die Physika des Bolos Demokritos und der Magier Anaxilaos aus La-
rissa" (Berlin 1922; Ber. d. Akad.). Eingehender Auszug: Lippmann , „Chz." LH, 973 (1928)
4 Wellmann , „Die Georgika des Demokritos" (Berlin 1921, 30,32. Ber. d. Akad.).
° „Studien zu den griechischen Geoponikern" (Leipzig 1925) 25.
G „M. A. G." VI, 19 (Brüssel 1922).
7 H öfer , R o. V, 634. — 8 K ruse , PW. XIII, 1122. — 9 W aser , R o. V, 1328.
10 Kruse , Ro. V, 1331 ff. — 11 Gossen-Steier, PW. Illa., 521.
12 Reitzenstein , „Das iranische Erlösungsmysterium" (Bonn 1921) 189ff. Frühzeitig
galt er auch als Nilgott und gab einem Nilarme den Namen (derselbe „A. Rel." XXVII,
272; 1930).