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bedürfen der Einwirkung des Frostes (diejenigen von E. latifolia keimen auch ohne Frost!). Hie und da istE. Europaea in Form alter Bäumchen anzutreffen, so z. B. bei Chorin (Brandenburg) im Plaggefenn, wo ein6 m hohes Stämmchen mit 48 cm Umfang in Brusthöhe steht, oder bei Rheinfelden im Kanton Aargau, wo dieHöhe mit 5,5 m, der Durchmesser in 1 m Höhe mit 20,5 cm gemessen wurde. — Die Zwitterblüten sind pro»terandrisch. Die von der Narbe entfernt stehenden Staubbeutel springen nach aussen auf, bevor jene nochentwickelt ist. Erst mehrere Tage später entfaltet die Narbe ihre Lappen und schliesst sie nach der Be=fruchtung wieder. Die besuchenden Insekten — es kommen nach Müller und Knuth namentlich Bibioniden,Musciden, Syrphiden und Formiciden in Betracht — werden daher in der Regel Fremdbestäubung vollziehen.Ausser den Zwitterblüten treten l.geschlechtige Blüten auf, in denen die verkümmerten Staubbeutel bezw.Fruchtknoten funktionslos sind. Die Verteilung der Blüten ist nach August Schulz meist gyno- und andro-monözisch, viel seltener gyno» und androdiözisch. — Bisweilen verkümmern nach Bally (in Verhandlungender Schweizerischen Botanischen Gesellschaft, 1916) die Embryosäcke in einem früheren oder späteren Ent-wicklungszustand. Der Raum, den sie einnehmen, wird von Nucellusgewebe umgeben. Die Wände dieserTapetenzellen lösen sich auf, ihr nackter Inhalt wandert in den Hohlraum und erfüllt ihn bald mit einem homo-genen Gewebe, etwa in der Art, wie es in den Pollensäcken gewisser Monokotyledonen beobachtet wordenist. Erst wenn die Höhlung nahezu völlig zugewachsen ist, beginnt die Embryo-Entwicklung, die aber, wieerwähnt, bisweilen unterbleibt, sodass parthenokarpe Früchte entstehen. Die meisten derartigen Blüten fallenallerdings frühzeitig ab. — Der Samenmantel umschliesst die Samen in der Regel vollständig; doch sind nachSolereder auch Fälle bekannt geworden, bei denen sich der Arillus nur unvollständig entwickelt. In höheremAlter bildet sich an stärkeren Zweig, und Stammstücken Borke mit dünnwandigen, schwammkorkigen (?) Zell-wänden aus. Die namentlich an älteren Zweigen auftretenden Peridermflügel sind (vgl. Anm. zu E. striata pag. 248)aus lockerem, verholztem Gewebe gebildet und an besonnten Zweigen viel höher und lockerer als an be-schatteten. Der Blauglanz der Laubblätter, der sich häufig bei i stark beschatteten und feucht stehendenSträuchern findet, soll nach G. G e n t n e r durch unregelmässige, feingekörnte Verdickungen der Epidermis hervor-gerufen werden. Die mitunter zu beobachtende silberweisse, metallische Laubblattfärbung erklärt Petri alsFolge der Loslösung der Kutinschicht von der Pektozellulose-Membran und des Versch windens desChlorophylls der äussersten Schicht des Palissadengewebes. Bei Freistand entwickelt der Slrauch reiche Wurzel-brut. Mykorrhiza ist durch Stahl nachgewiesen worden. —Nach Wehm er enthalten die Wurzel Zitronen«,Wein- und Apfelsäure, der Saft Mannit (wenigstens im Sommer), die Früchte Dextrose, Harz und wachsartigeSubstanz, etwas Zitronensäure, Gerbsäure, orangefarbenes Fett usw., die Samen Harz, Bitterstoff, Zucker,Emulsin mit Glyceriden der Oel-, Palmitin, Stearin» und Essigsäure, ferner freie Benzoesäure und gelben Färb.Stoff. — Das gelbe, feinfaserige, zähe, etwas harte, schwer spaltbare, aber wenig dauerhafte und mittelschwereHolz wird zu Drechsler», Bildschnitz« und Instrumentenmacherarbeiten verwertet; auch Schuhstifte, Pfeifenrohreund Zahnstocher — früher auch Spindeln — werden daraus gefertigt. Die weiche, gleichmässige Holzkohle istals Zeichenkohle geschätzt und findet auch bei der Pulverbereitung Verwendung. Kapseln und Samen dienenhie und da zum Gelbfärben, die gepulverten Früchte mit Butter verrieben auch als Salbe gegen Kopfläuse.Das Oel der Samen ist zum menschlichen Genüsse untauglich und ruft Erbrechen und Durchfall hervor. Eskann aber zum Brennen (z. B. in Tirol) und zur Seifenherstellung benutzt werden und stellt eine leuchtendrotbraune, scharf riechende, mässig dünnflüssige, nicht trocknende Flüssigkeit dar. Im Samenmantel befindensich etwa 56,41 °/o Oel, in den Samen 43,63°/o. In sehr bescheidenem Masse wird es nach Diels auch zuWundmitteln verwendet. — Die Art wurde mehrfach fossil aufgefunden, so in Frankreich bei Celle sous Moret,Fismes (Aisne), Resson, Pont«ä«Mousson, in Deutschland z. B. bei Cannstatt, in der Schweiz in der grauen Kultur«Schicht von Schweizerbild, in den Pfahlbauten von Moosseedorf bei Bern usw. Neuerdings ist in Grossberlindas Abschneiden oder Abreissen von Zweigen polizeilich verboten worden. Die Zahl der parasitären Schäd«linge auf dem Strauch ist ziemlich beträchtlich und setzt sich hauptsächlich aus Ascomyceten zusammen. Ge-nannt seien davon Cucurbitaria evönymi Cooke, Gibber6lla evonymi (Fuck.), Microspheeraevonymi (Kze.), Pleöspora evonymi (Fuck.), Vdlsa heteracantha (Sacc.), Ventüria vermicularii-förmis (Fuck.). Andere Pilze sind z.B. Caeöma evonymi (Gmel.) und Phyllactinia corylea Pers.Als Bildner von Zoocecidien treten auf Aphis evonymi Fabr. und Eriöphyes convölvens Nal.Ehedem wurde dem Strauch von Schuhmachern stark nachgestellt (z. B. in Franken).
1867. Evonymus verrucosa Scop. Warzen = Spindelstrauch. Fig. 1834a bis d.Sommergrüner, 30 cm bis über 2 m hoher Strauch mit lockeren, sparrigen, graurissig 3gerindeten Aesten und fast stielrunden, stumpfkantigen, dicht mit dunklen Korkwarzen be»setzten, anfangs grünlichen Zweigen. Seitenknospen ± abstehend, spitz=eiförmig, kahl; Knospen=schuppen gekielt. Laubblätter auf etwa 2 bis 3 mm langen, rinnigen Stielen, klein, bis 6 cm