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5,1 (1925) Dicotyledones : (III. Teil)
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237
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[Volksbrauch des Schlagens mit grünen Zweigen an Fastnacht,Schlag mit der Lebensrute"|, daher Fue, Füe(Hannover). In Oesterreich kommen die als .Palm" geweihten Zweige unseres Strauches in die Ställe, damit dasSchrattel [Kobold] dem Vieh nichts anhaben könne, daher dort Schradl, Schradllaub, Schrattelbaum,Ross«Schradl [in die Rossställe gesteckt] genannt. In der Schweiz dient ein Splitter der Stechpalme als Spise.h ö 1 z 1 i (Thurgau), um auf dem Wege derSympathie" in der Haut steckende Holzsplitter (Spise") auszuziehen. DerName Vogesengrün (Elsass) ist einKunstname", da die Stechpalme das Wahrzeichen des Vogesenklubs ist.

In vielen katholischen Gegenden bildet die Stechpalme denPalm" (vgl. Salix caprea. Bd. III, pag. 35),der am Palmsonntag in der Kirche geweiht wird oder sie ist ein Bestandteil davon. Diese Zweige an dieTüren und Fenster gesteckt, schützen nach dem Volksglauben vor dem Einschlagen des Blitzes und anderemUnheil. In der Schweiz erzählt man sich, dass das Volk, als Christus in Jerusalem einzog, Palmen auf denWeg streute. Als man aberKreuziget ihn" rief, da bekam die Palme, von der die Zweige abgeschnittenwaren, Dornen und so entstand die Stechpalme. In England verwendet man den immergrünen Strauch wiedie Mistel zur Ausschmückung des Weihnachtsfestes (die Zweige werden dann alsChristmas" bezeichnet). Invielen Gegenden (z. B. Westdeutschland, Oesterreich, Schweiz) dient ein Stechpalmenbusch alsWirtshaus*schild" (Schankzeichen). So befestigte in Horn bei Detmold der den Ausschank habende Bauer einen Hülsen»busch vor seiner Tür. Ging das Bier zu Ende, so wanderte der immergrüne Busch (wie der Ausschank selbstalsWib" bezeichnet) zum nächsten Ausschenkenden. Ueber die volksmedizinische Verwendung vgl. unten.Die Volkstümlichkeit der Stechpalme (Hülse") kommt auch in vielen (besonders westdeutschen) Flur, undOrtsnamen zum Ausdruck, z. B. in Hüls, in der Hülsen, Hulsacker, Hülsebruch, Hülsenfeld usw. Auch mancheFamiliennamen (z. B. Hülsmann, Hülsberg, Droste.Hülshoff) scheinen davon abgeleitet zu sein. Diese Namenlassen vermuten, dass der Baum dort früher häufiger und in die Augen fallender war. In der Schweiz be»ziehen sich die Lokalnamen Stechpalmegg am Zugersee und Stechpalmen (Kanton Solothurn), in Württembergder Palmenwald bei Freudenstadt auf unsern Baum." In der Westschweiz lassen sich nach H. Jaccard dieFlurnamen l'Agreblais und Agriblieray auf den Patoisnamen agrebllai (vom lat. acrifölium) zurückführen ; andereführen geradezu die Bezeichnung Tau oder Taux.

Baum oder Strauch, bis 10 m hoch (in England, am Niederrhein und in Norwegenwurden Exemplare von 15 m beobachtet). Aeste und Laub kahl. Laubblätter lederartig, ober»seits dunkelgrün, glänzend, unterseits etwas heller, im Umriss eiförmig bis länglichdanzettlich,durchschnittlich 3 bis 8 cm lang und 3 bis 4 cm breit, am Rande meist wellig und stachelspitziggezähnelt; Wellung und Bestachelung dann nach Alter und Formen sehr verschieden starkausgebildet, manchmal auch (so an alten Bäumen) ganz verschwindend, so dass die Laub»blätter ganzrandig und eben ausgebreitet sind. Nebenblätter sehr klein und hinfällig. Blütendurch Verkümmern des einen Geschlechtes zweihäusig. Blütenstände in den Blattachseln, meist1= (bei weiblichen Exemplaren) bis 3=blütige (bei männlichen Exemplaren) Trugdolden. Blüten»stiele der weiblichen Blüten meist länger als die der männlichen (etwa 2 mm lang). Kelch4» (selten 5»)spaltig, meist fein behaart; Zipfel abgerundet, stumpf oder spitzig. Blumenkroneweiss oder rötlichweiss, ± radförmig ausgebreitet, 4» (selten 5=)spaltig, selten (bei weiblichenBlüten) Kronblätter fast frei. Staubblätter 4 (selten 5). Fruchtknoten 4= (selten 5=)fächerig.Frucht eine korallenrote, kugelige bis eiförmige Steinfrucht, mit 4 (bis 5) gestreiften und ge-furchten Kernen. V, VI.

Als Unterholz in Wäldern, besonders in Buchenwäldern, seltener in Misch» oderFichtenwäldern, an Waldrändern, in Hecken, auf den verschiedensten Bodenarten; im südlichenTeil des mitteleuropäischen Florenreiches mehr in der montanen Stufe, im nördlichen (inSchottland und Norwegen) im Tiefland. In den Vogesen bis 1050 m, im Alpengebiet bis1200 m aufsteigend, nur vereinzelt noch höher (Schwendwald im Berner Oberland 1480 m,Kaisertal in Nordtirol, Südseite des Churfirsten und Joux brülee im Wallis bis 1500 m). Ausser»dem in Gärten und Anlagen oder an Strassen (hier als Heckenpflanze) kultiviert.

In Deutschland vor allem im Westen, Nordwesten (auf den Nordfriesischen Inseln fehlend) undam Nordrand der Alpen. Die Ostgrenze geht in vielfach gebogener und geknickter Linie durch Deutschland.Im einzelnen ist der Verlauf der Stechpalmen.Grenze ;a Deutschland etwa folgender (nach Loesener). VonRügen und der Greifswalder Oye scharf zurückbiegend in westlicher Richtung über Grimmen nach Marlow (ander Redenitz), umwendend nach Südsüdwesten über Güstrow, dann wieder vorstossend nach Südosten überMalchow nach Rheinsberg, hier scharf nach Westsüdwest sich wendend nach Kyritz, zurück in fast nordwest»Hegi, Flora. V, 1. 218