332
IIelix Pomatia.
Seite zuzukehren und gegenseitig die nach Swammerdam oft verfehlende, nach Oken und Pfeif-fer aber leicht treffende Ruthe in die weiblichen Zeugungsglieder zu bringen. Während der Begat-tung., die nach Oken und Pfeiffer 6 — 7 Minuten, aber auch bis 2 Stunden dauert, bewegen siehdie Fühler sehr mannigfaltig, überhaupt ist sie so innig, dafs man die Individuen nur mit Mühe aus-einander bringen kann (*). Nach vollendeter Begattung trennen sie sich in einem Zustande der Er-schöpfung. Die angeschwollenen Genitalien hängen dann noch einige Zeit (nach Swammerdam bisgegen \ Stunde) aus dem Körper, auch fliefst wohl noch Samen aus der Ruthe. Der Begattungsactwird 10 —12-mal wiederholt, ja manche paaren sich nach 3 Wochen wieder, und wohl später in6 Wochen noch einmal. Nach der Begattung findet man die Ruthe zusammengezogen und die bü-schelförmigen Säckchen entleert, während der Liebespfeil ganz fehlt. Der Eierstock schwillt (nachSw.)f an und erhält ein körniges, gelbes Ansehn. Besonders deutlich erkennt man aber die Eier fünfWochen nach der Begattung. Gaspard's Angaben zufolge, womit auch die von Swammerdam imEinklänge stehen, vergehen von der ersten Paarung bis zum Eierlegen 25 — 30 Tage, wogegen auchPf.eiff.ejr 's Beobachtung nicht spricht, der im Juli eine Schnecke sich begatten und schon am fol-genden Tage legen sah, da ja schon früher Begattungen Statt gefunden haben konnten. Die Eierwerden an einer, vor starkem Regen und Trocknifs geschützten Stelle in ein etwa 3" tiefes und 1\"weites Loch in die Erde gelegt, in welches die Schnecke sich mit dem Ivopf und der Sohle begiebtund die Eier (25 — 84) binnen 24 Stunden von sich giebt und dann mittelst wellenförmiger, von hin-ten nach vorn erfolgenden Bewegungen der Lippe und der Sohle etwa 1 11 hoch mit Erdklöschen be-deckt. Die Eier sind von einander .gesondert, zwei bis dreifach auf einander gehäuft, undurchsichtig,haben einen"Durchmesser von wiegen 3^ Gran, und bestehen aus einer äufseru, lederartigen, un-
durchsichtigen, durch Kalkhöckcrchen (**) unebenen Schaale, dann einer dünnen Haut und grünlich-gelbem Eiweifs und Dotter. Sie entwickeln sich in einer feuchten Umgebung, je nach der Lufttem-peratur, in 21 bis 45 Tagen, faulen aber unter Wasser. Pfeiffer sali am 30sten Tage entwickelte,zarte, etwas durchsichtige, an Gröfse verschiedene Schnecken daraus ausschlüpfen, welche die Ei-scliaale als erste Nahrung, später aber zarte Blätter genossen, und eine so durchsichtige Schaale be-safsen, dafs die 48—50-mal in einer Minute erfolgenden Herzschläge durch dieselbe wahrgenommenwerden konnten. Sie waren empfindlich gegen die Atmosphäre und bewegten sich wenig. Bis zum3Ssten Tage zeigte ihr Gehäuse nur Windungen und zwei Binden. In etwa zwölf Monaten warenfünf Individuen schon vollkommen ausgewachsen ("*). Uebrigens sah Gaspard Schnecken zweimalin einem Sommer legen und noch im September sich welche begatten.
Nutzen. Man gebraucht die Weinbergschnecken wie die Nacktschnecken zu Schneckenbrü-hen u. s, f., benutzt sie aber auch in einigen Gegenden, namentlich im südlichen Deutschland, als
geschätz-
(*) Die Begattung beschrieben Swammerdam Eibl. not.. T. 1. p- 130.; Cu-vier MAm. p. 31.; Oken T\alUrge-schichte Abth. III. Bd. I. S. 31€.; Pfeiffer Land- und Sü/'swassermollusken, Abth. 3. S. 76. — Ob bei der Begattungdie Ruthe in den Eierleiter oder in. das .blind sack ähnliche Bläschen (Fig. 5« 6. C) dringe, hält .Cuyier für uwgevvif&.Das Bläschen, welches eine allgemeine Verbreitung bei den Gasteropoden hat, würde übrigens nach ihm dazu dienen,den Eiern. -einen Ueberzug zu gehen, während die büschelförmig verzweigten Organe eine milchige Feuchtigkeit in dioScheide ergössen.
(**) Diese schon von Pfeiffer beobachteten Kalkkörperchen hat Turpin hei mehreren Schneckenarten noch näheruntersucht. Froriep Notizen Bd. 37. S. 71,
(***) Ueber den Bau der Eier und ihre Entwicklung s. schöne Beobachtungen und Abbildungen bei Pfeiffer a. a.O. Abth. III. S. 69. 1'af. 1. Einige Bemerkungen finden sieh auch bei Gaspard.