276
S anguisuga M edicinalis.
übevliegende Einbeugungen am Rande des Dolters melirere Male in einer Minute herum (*). Das Cen-triun des Dotters bewegt sich gar nicht oder nur wenig, die äufsere Hülle aber sehr stark. Obgleichsich die Dotterzellen selbst nicht zu bewegen scheinen, so werden sie doch gegen das Cenlrum ge-zogen. Werden die Keime gröfser als der eben erwähnte, so nimmt der auf die beschriebene Weisegebildete Dotter eine plattgedrückte, längliche, fast bohnenlormige Gestalt an (Taf. 30. Fig. 12.), undes bildet sich an der Stelle der Trichtermündung der Mund des künftigen Blutegels (a), nach Weberi'" im Durchmesser. Er liegt stets am geraden Rande des Dotters, aber dem einen Ende des Dot-1 ersaekes näher. Die Dotterhülle (ebd. d. h.) ist zwar sichtbar, liegt aber an mehreren Stellen an.Vom dunklern Cenlrum (Fig. 10. k.) ist nichts mehr zu sehen, und die Zellen des Dottersackes sind nichtkleiner. Der Dotter kann zwar noch seine Gestalt etwas verändern, die Kreisbewegung seines Ran-des hat aber aufgehört. Eine sehr lebhafte, der Thätigkeit der Pupille des menschlichen Auges ähn-liche, periodische, langsame, in Verengerung (Fig. 14.) und Erweiterung (Fig. 15.) bestehende Bewe-gung bemerkte aber Weber, an dem schon mit blofsem Auge, als weifser Fleck auf dem braulichenDotter sichtbaren Mundende mittelst der Lupe, wobei man gleichzeitig an ihm eine kleine, innere,glänzende, die Oeffnung umgebende und eine grofse, äufsere Zone wahrnimmt. Beide Zonen lassenstrahlenförmig verlaufende Linien bemerken, welche Web er zur Vernuithung brachten, dafs die Mund-öffnung von strahlenförmigen Muskelfasern umgeben sei. Während dieser Aclioncn nimmt der Mundetwas von dem in seiner Nähe befindlichen Eiweifs auf, da auch im Eiweifs noch deutlich Bewegun-gen wahrgenommen werden. — Später bildet sich vom Munde (Fig. 13. a.) aus längs der schmalenSeite des bolinenförmigen Dotters ein weifser durchsichtiger Streifen (m) (der später in den mittlemTlieil der Bauchwand sich verwandelt). Bei noch älteren Keimen, wenn man sie in destillirten Essigoder Weingeist gelegt hat und dann wieder in Wasser bringt, welches sie wieder durchsichtig macht,bemerkt man die vom Mundende nach dem F.ufse verlaufende Ganglienkette. Die Ganglienkette sollmit einem Male sich bilden, und zeigte, statt des beim entwickelten Egel einfachen grofsen, längli-chen, hintersten., besonders für den Fufs bestimmten Knotens, 7 getrennte (Fig. 17. m. und besondersdargestellt Fig. 18.). In der Folge läfst sich der Ganglienstrang aber auch ohne chemische Präpara-tionen blofs mit Hülfe der Vergröfserungsgläser beobachten, und man sieht dann auch die ersten Spu-ren des Schleim absondernden Drüsensystems in Form weifslicher, querer Flecken neben dem Ner-venstrang schwach angedeutet (Fig 20.). Es bildet sich dann auch der Fufs, und das Kopfende desEgels verlängert sich über den Dotter hinaus (Fig. 19.). Inzwischen vergrößert sich die Haut, welchespäter zur Bauchwand wird, immer mehr, und beginnt, vom Kopfende (Fig. 20. a. y.) an nach demFufsende (z.) fortrückend, den ganzen Datter einvuschliofsen, woraus sich der Nahrungskanal entwik-kelt. Ist der Dotter unten und an den Seiten ganz eingeschlossen, so stofsen die Ränder der fort-wachsenden Haut des Blutegels auf dem Rücken zusammen, und bilden einen am Kopfende schmä-lern, am Schwanzende breitern, weifsen Streifen (Taf. 30. Fig. 20. 23.), der hinten in einen vortre-tenden Zipfel (z.) ausläuft, welcher die letzte Spur des untern Endes des Dotters ist und sich gerade
an
(*) Es unterscheidet sich aber nach Weber die Bewegung das Egelkeimes dadurch von der bei Schnecken und Mu-scheln wahrgenommenen, dafs bei ihm nur eine Bewegung des Dotterrandes sich hemerklich macht, während bei Schneckenund Muscheln die ganze Dotterkugel sich um ihre Axe dreht. Carus ( Erläuterungstafeln) fahrt die Beobachtungen We-bers hinsichtlich der Bewegungen an, ohne eigene Beobachtungen hinzuzufügen, die man jetzt sehr wünschen möchte,seit Wagner (Iiis 1832. p. 407.) an den Eiern von Hirudo vulgaris vom Verschlucken von Eiweifs und Bewcgungeu de*Keims nichts beobachtete.