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1 (1829)
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Gallus Domesticus.

Camlschatka sollen sie sich sogar bei Fischen und Fischrogen wohl befinden und fruchtbar darnachwerden ('). Nach Gras und Kräutern bekommen sie einen starken Eyerstock und legen grö-l'sere, wohlschmeckendere Eier (-). Vogel- und Wachholderbeeren schützen sie gegen Durchfall, dickeKöpfe, Beulen u. s. w. Zum Saufen brauchen sie beständig frisches Wasser. Alles dieses verschaffensie sich zum Theil selbst, indem sie den ganzen Tag scharren und mit grofser Gechickliebkeit flie-gende Inseclen haschen. Findel eine Henne einen Wurm oder sonst etwas Ungewöhnliches, so schreitsie vor Freude, wodurch andere Hennen herbeigelockt werden und ihr den delicaten Fund abzujagensuchen, mit dem sie sich entfernt. Sie fressen als ein das Zerreiben der Körner in ihrem dickwandi-gen Muskelmagen unterstützendes Mittel, eine bedeutende Menge Sand. Gelehrig sind die Hühnernicht; vor allen dumm sind die grofsen Paduanischen gehaubten, mit blasiger Kopfauftreibung ( 3 ). Un-ter ihren Sinnen ist das Gesicht besonders ausgebildet, denn sie bemerken den in schwindelnder Höheüber ihnen schwebenden Stofsvogel und suchen sich, unter Erhebung eines eigentümlichen, einförmi-gen Geschreies zu sichern. Nach Scarpa's Untersuchung haben sie einen sehr schwachen Geruch ( 4 ).In der Jugend unterscheiden sich llahn und Henne gar nicht in der Stimme und auch nicht im Ge-fieder. Später aber, etwa mit dem Ilervorbruch der Kämme, welcher bei den Hähnchen früher erfolgt,fangen sie an heiser zu krähen , bis sie erwachsen das Gikrikühi mit sonorer Stimme verkün-den. Hinterher folgen dann noch einige halblaute, gedehnte, brummende Töne, ähnlich denen derHennen, welche diese fast den ganzen Tag vor sich hin brummen, wenn sie nicht ihr Gackern vordem Eierlegen, oder ihr Gack Gack Guts nach demselben, oder ihr Gluck Gluck, -während des Brü-tens hören lassen. Wie die behaarten Thiere erleiden auch die befiederten einen Wechsel ihres Klei-des jährlich einmal (Mausern, Rauhen). Die Strupphühner sollen dann einige Zeit ganz nackt gehenund sclieufslich aussehen. Dieses dauert 6 — 8 Wochen und fällt gegen Ausgang des Septembers,oder bei einigen schon in den August, seltener erst in den November. Sie sind dann still und traurigund rupfen beständig in dem allen, slraubigen Gefieder, bis die jungen Federn alle alten verdrängthaben. Danach erscheinen sie mit frischeren, oft ganz anderen Farben, selbst Schwarze sah manweifs und Weifse schwarz werden ( s ). Henne und Hahn üben das ganze Jahr hindurch, aufser in derMauserzeit, das Forlpflanzungsgeschäft. Der Hahn ist so geil, dafs er nicht allein keinen zweitenHahn in seiner Nähe leidet (*), sondern dafs er sogar seine jungen Hähne todt beifsen soll. Ein guterHahn (**) reicht für 15 Hennen hin (***). In unsern Gegenden fängt die Legezeit zu Ende des Februar

(') Pallas Zoegr. p. 92. ( 5 ) Beckstein S. 350. C) Pallas Spicil. zool. Fase. IV. p. 22. (♦) Tiedem. Zool.B. 2. S. 113. ( ! ) Latham Ubers, v. Bechst. a. a, O. S. 672.

(*) Der Kampf zweier Hähne geht aufs Leben. Mit gesträubten Federn, steif vorgestrecktem Halse unit gebücktemKopfe beobachten sie sich einige Augenblicke stillschweigend mit festen und sprühenden Blicken, und springen dann plötz-lich gegen einander hoch, hacken sich in den Kair.m, schlagen sich mit den Flügeln oder stechen sich mit den Spornen.Liebt der Überwundene sein Leben, so senkt er demütliig die Federn und kriecht in einen Winkel. Die Engländer be-sonders ergötzen sich an solchen Festen und rüsten ihre Kampfhähnc mit langen stählernen Spornen. Die Sitte scheint Tonden Athenienscrn herzustammen (Aelian Var. Iäst. L. II.). Bei den Alten hatten die Hähne von Rhodus und Tanagra, so wiedie Med liehen und Cbalcidischen besondern Ruf (Plin. hist. nat. L. X. C. 24.). In Asien sind Hahngefeclite auch jetzt nochim Gebrauch, namentlich in China und in Indien (Gemelli Careri T. 5. p. 36.; Navaretc descript. de la Chine p. 40-)

(**) Erfordernisse eines guten Hahns und einer guten Henne s. b. Bechst. S. 33S, 339.; Temm. p. 126.

(***) Die Henne legt zwar auch, ohne vom Hahne befruchtet zu seyn, und die Eier sind auch für die Oeconomiebrauchbar und halten sieh sogar besser, allein sie können kein IIühn#hen entwickeln. Die Begattung (der Tritt) wird sehrsclmi'll, fast momentan vollzogen und zwar ohne Vorbereitung, oder der Hahn umkreist die Henne einigemal stolpernd, in-dem er unter Vorbringung einiger gurgelnder Töne mit den ausgebreiteten Flügeln über die Erde fegt, oder den Kopf miteinem Murmeln senkt, dann kollernd auf die geduckte Henne steigt, sie in den Kamm oder Schopf beifst, und nun den Hin-terleib mit dem fächerförmig ausgebreiteten Schwänze mehrmals heftig gegen den After der Henne andrückt. Nach dem Herab-steigen reckt er sich, schlägt die Flügel und kräht auch wohl mehrmals, gleichsam triumphirend. Die Henne schüttelt sich da-