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1 (1829)
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Cervus Elaphus.

Yerliältnisse. Länge des Körpers vom Hinlerhaupt zum After 4' 11". Kopflänge 1' 2>\". Ohrenlänge8^". Halslänge 14Schwanzlänge 6%". Höhe des Vordertheils 3'8". Höhe des Hinlerlheils 3'9".

Im Knochengerüst zeigt der Edelhirsch eine grofse Übereinstimmung mit dem liinde, dahersind nur die Abweichungen davon anzugeben. Der Schädel (Tab. V. fig. 2.) überhaupt ist länger und schma-ler. Die Zwischenkiefer sind vorn abgerundet, nicht eckig. Nasenbeine an den Seiten weniger gewölbt, obenbreiter als bei der Kuh. Oberkiefer niedriger, schmaler. Thränenbeine der Länge nach durchbrochen.Die Stirnbeine steigen über den Augenbraunbögen allmälig gegen die Scheitelbeine auf. Von ihrerMitte an erhebt sich an jedem der Ränder der Naht, welche die Stirnbeine mit einander verbindet, eineschwache, längliche Knochenwulst. Die Augenhöhlenränder treten stärker hervor. Die miteinander verschmol-zenen, gröfsern Scheitelbeine erscheinen oben sehr flach gewölbt, dachen sich seitlich gewölbt ab, undermangeln daher des bei der Kuh sehr bedeutenden, seitlichen Knochenkammes und der bei ihransehnlichen Verliefung. Das Hinterhauptsbein erscheint schmaler, aber gewölbter und höher. Esragt mit dem mittlem, obern Theil seiner Schuppe stärker hervor und tritt damit, wie bei allen Hir-schen, weit nach vorn und oben. Die beiden beim Rind am vordem Theil des Grundforlsalzes wahr-nehmbaren Hervorragungen fehlen. Die Schuppe des Schläfenbeins ist gewölbter. Der Knochenkammauf der Pyramide ist, wie seine Knochenblase, unbedeutend. Die Gestalt und Zahl der Wirbel undRippen (Federn, Krielen) und des Brustbeins haben nichts abweichendes, nur sind die Rippen schma-ler, die Wirbelkörper, zumal die der Halswirbel länger als bei der Kuh. Schwanzwirbel nur elf.Die Beckenknochen schmaler, länger und dünner.— Über die Anatomie der Weichtheile findet mannichts merkwürdiges aufgezeichnet: sie gleichen denen des Rindes völlig, nur fehlt den Hirschen dieGallenblase. Doch dürfen wir, wegen der frühern medizinischen Anwendung, eines, freilich demHirsch mit vielen Gatlungs- und Familienverwandten (z.B. dem Rinde) gemeinen Vorkommens nichtvergessen. Es liegen nämlich bei erwachsenen Tliieren am Ursprünge der Aorle in der Scheidewandder Kammern zwei Knochen in der Form eines Kreuzes. Dies sind die sogenannten Hirschkreuze oderIlirschhcrzknochen (*). Bei jungen Thieren findet man nach der Beobachtung des Herrn GeheimerathRudolphi an ihrer Slelle Knorpel (*'). Die nach Herrn Proscctor Dr. Schlemm an den Hinlerfüfsendes Rehes zwischen den Klauen befindlichen Drüsen fehlen dem Hirsch.

Lebensart. Der Hirsch ist ein friedliebendes, sanftes Thier und, zumal im männlichen Ge-schlecht, von edler Hallung. Nur zur Brunftzeit sind die Männchen furchtbar. Bei einem, wie beiallen Wiederkäuern, nur miifsigen Gesichtssinn, hat er ein gutes Gehör und einen sehr feinen Geruch.Er ist listig und neugierig. Er bleibt, wenn man ihn anrufl, oder wenn man pfeift, stehen. Ueber-haupt liebt er die Musik, und kann sogar durch Schalmeien und Querpfeifen zum Stillstand gebrachtwerden. Nur spät erst braucht das Männchen sein Geweih, indem es dasselbe, wie das Rindviehseine Hörner, vor sich hinhält, und seine Füfse, die einzigen Waffen der Weibchen, zur Verteidi-gung. Bei einer auffallenden Erscheinung läfst er einen klaffenden Laut (Schmälen oder Melden)hören. Zur Brunflzeit ähnelt die grobe, zitternde Stimme der Männchen der des Rindviehes. Erschwimmt (rinnt) sehr gut, wobei das Männchen das Geweih wagerecht über den Rücken legt. DieHirsche leben meist in kleinen oder gröfsern Rudeln, welche aufser der Brunflzeit entweder aus weib-lichen Thieren, ihren Jungen (Schmallliieren) und jüngern Hirschen (Spielsern, Gablern und Sechsen-dern) bestehen, und von einem alten Weibchen (Kopflhier) geführt werden, oder blofs aus Hirschen,welche aufser der Brunft friedlich beisammen leben. Nicht zu feuchte oder bergige Waldungen mit

(*) Diss. sistens observat. nonnull. zoot. os cordis Cervi etc. spectantes Praes. C. F. J. Kielmeyer resp. Lucthi.7'üb. 1814. Carus Zootom. S. 608.

(**) Mündliche Mittheilung.