ZUM HUNDERTJÄHR. JUBILÄUM DES VAKUUM-APPARATES 399
(1806), der schon vor 1800 das ,kulminierende kleesaure Queck-silber" erwähnte, 1 hat es überhaupt keine einheitliche Zu-sammensetzung, sondern diese wechselt je nach den Verhält-nissen und Bedingungen der Darstellung, und nach Klaproth(1808) sind seine Hauptbestandteile kleesaures Quecksilber undviel Ammoniak, 2 dessen Vorhandensein auch Pfaff bestätigte. 3Berzelius, der Howard unter den bedeutenden Chemikernanführt, die er 1812 in London kennen lernte, 4 sprach 1820 dieMeinung aus, Howards Knallquecksilber sei ein Doppelsalz ausschon an sich explosivem kleesaurem Quecksilber und Ammoniak,das aber auch noch ein aus dem Alkohol entstandenes „äthe-risches Produkt" in sich schließe, 5 und unterscheide sich hier-durch jedenfalls von Berthollets Knallsilber, einer Verbindungvon Silberoxyd mit kaustischem Ammoniak; 6 seinVerhalten beimAbfeuern eines Geschützes erkläre sich daraus, daß die Geschwin-digkeit der Explosion weit größer sei als die des Schießpulvers,und daher den Gasen keine genügende Zeit lasse, auf die Kugelzu wirken und sie in die Ferne zu schleudern. 7 Mit dem Jahre1821 beginnen die weltberühmten Forschungen Liebigs, sowieGay-Lussacs und Liebigs, die zur Erkenntnis der Zu-sammensetzung des knallsauren Silbers, und, weil diese sichals identisch mit jener von Wühlers Silbercyanat ergab, zurEntdeckung der Isomerie führten. 8
Trotz seiner ungeheuren Gefährlichkeit wurde das Knall-q uecksilber alsbald eine Zeitlang im großen dargestellt, undzwar zu militärischen Zwecken, in Deutschland u. a. beiDreyse in Sömmerda, und bei Bellot in Schönebeck; 9 schon
1 „System der chemischen Kenntnisse", über. Wolff (Königsberg 1800ff.;
Bd. 3, S. 167); Wieland, S. 73. 2 „Chemisches Wörterbuch" (Berlin 1805);
Bd. 3, S. 165, 179 ff. 3 „Journal für Physik und Chemie", Bd. 1, S. 144.
4 „Briefwechsel" ed. Söderbaum (Upsala 1912), Bd. 1, S. 42. 5 „Lehrbuch
der Chemie", üb. Blöde (Dresden 1820; Bd. 2, Abt. 1, S. 362, 370). 6 ebd.,
S. 310. 7 ebd., S. 374. 8 Ober diese Untersuchungen, die Literatur bis 1825,
und Howards Knallquecksilber, s. Thenard (1826), a. a. O. 9 Schubarth,
„Elemente der technischen Chemie" (Berlin 1835); Bd. 2, S. 354.