324 ZUR GESCHICHTE DER POTTASCHE UND IHRES NAMENS. I.
sie schöpften —, bald „Pottasche" wie Stahl (1720), Alberti(1728), und Kühnst (1738), 1 bald ,,Pott-Asche" wie Kunckel(1722), 2 bald ,,Pot-Asche" und ,,Pot-ash" wie Boerhave(1762) 3 und die älteren englischen Autoren, 4 bald auch ab-wechselnd Pottasche, Potasche, Pott-Asche, und Pot-Aschewie Roth (1721). 5 Das Wort „Potassinum" für „Gewächs-alkali" gebrauchte zuerst (erst 1782?) Berg man, 6 und hier-durch ging diese Schreibweise (mit nur einem t) in die Wissen-schaft über; in Norddeutschland und am Niederrhein ist dieSchreibung Potasche auch jetzt noch keine seltene, und hatihr Analogon in der für die „Potlohe", die in der Rhein-provinz vielfach zum Schwärzen der eisernen Öfen dient, undrichtig „Pot-Lood" heißen müßte, d. i. in holländischerSprache „Topf-Blei", ein zuerst in Holland im großen dar-gestelltes, aus Graphit („Reiß-Blei") bestehendes Anstrich-mittel, das schon im 18. Jahrhundert, in Töpfe gestampft, auchrheinaufwärts verschifft wurde. 7
Wie sich aus dem Dargelegten ergibt, führt die Geschichteder Pottasche an keiner Stelle auf den Chemiker Pott zurück.Die Annahme, daß zwischen Pott und Pottasche ein Zu-sammenhang bestehe, ist ein Irrtum der neuesten Zeit, undseine rasche Verbreitung, die sich selbst auf chemisch-historischeFachblätter erstreckte, z. B. auf die „Mitteilungen zur Ge-schichte der Medizin und der Naturwissenschaften", 8 istzweifellos dem Umstände zuzuschreiben, daß er Aufnahme
1 Stahl, „Chymia rationalis", Leipzig 1720, S. 123, 422, 423; Wiegleb,„Geschichte des Wachstums . . . der Chemie", Berlin 1792, Bd. 1, S. 185, 213.
2 a. a. O., S. 128. 3 „Anfangsgründe der Chymie", Berlin 1762, S. 79, 86,
234, 235. 4 Siehe bei Oren und Macquer-Leonhardi, a. a. O.
5 „Gründliche Anleitung zur Chymie", Leipzig 1721, S. 19, 30, 103ff.; 60, 67,91, 92, 111; 17, 166; 190, 194. 0 s. bei Gren, Bd. 4, S. 14. ' Beck-
mann, „Beiträge zur Geschichte der Erfindungen", Leipzigl805, Bd. 5, S. 247ff.
8 Bd. 2, S. 316: „... Pott, dessen Pottasche dort irrtümlicherweise nur
mit einem t geschrieben wird"; Bd. 2, S. 349: . . Potts Pottasche fehlt
daselbst".