296
ZUR WÜRDIGUNG JEAN REYS
der Luft verflüchtigt, während die schwereren, als eine Art„denaturierter Luft" von dichterer und zähflüssiger Beschaffen-heit, zurückbleiben.
12. Feuer und Wärme wirken in dieser Weise, und nichtbloß durch gleichmäßige Ausdehnung des Volumens, auch aufdie gewöhnlich als „homogen" bezeichneten Körper, die ja alleSchwefel, Quecksilber, und Salz enthalten und beim Erhitzenauch wirklich ergeben, wie der Vitriol, das Harzöl, oder derWein. Dies kann sich jeder durch den Augenschein klarmachen:„es ist jedoch ein wahres Unglück in den Wissenschaften, daßdie meisten Anhänger gewisser altüberlieferter und eingefleischterIrrtümer deren Berichtigung grundsätzlichen Widerstand leisten;.. .. ich aber erkläre frei, daß ich nie auf die Worte einesForschers schwöre, vielmehr die Wahrheit von ihm annehme, wenner sie zu bieten hat, sonst aber sie bei einem Anderen suche."
13. Ganz ebenso wirkt Feuer auch auf das Wasser, dasdoch ein einfacher Stoff (ein Element) ist. Deshalb benützendie Chemiker zur Anfertigung ihrer Extrakte destilliertes Wasser(oder auch Regenwasser, das durch den großen Destillierkolbender Natur gegangen ist), denn es ist leicht und subtil (daherauch diuretisch wirksamer), während sein Rückstand sichschwer und dicht erweist. Setzt man zwei gleich große, mitWasser und Rotwein genau gefüllte Kolben mit den Mündungenaufeinander, so daß sich der das Wasser enthaltende oben be-findet, so kann man sich leicht von der Schwere des Wassersüberzeugen, denn es sinkt allmählich herab, und zwingt denleichteren Wein, aufzusteigen. Aber auch in jeder einheitlichenFlüssigkeit muß die unterste Schicht, infolge des Druckes undGewichtes der ihr auflagernden, schwerer sein als jede obere,und umgekehrt muß daher auch die Luft auf dem Gipfel eineshohen Berges leichter sein als in der Ebene; beim Erwärmenwird jede Schicht aufsteigen, und zwar so lange, bis sie zueiner mit ihr übereinstimmenden von gleicher Subtilität(Dichte) gelangt.