ZUR GESCHICHTE DER NARKOSE
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Gib Acht, daß der Weise den Zauber macht,Daß der Leu aus der Kluft sei gebracht.Er spalte die Weiche der schlanken Zypress',Empfinden wird sie nicht schmerzlich es;Heraus zieh' er die Leuenbrut,
Und setze des Mondes Seite in Blut,
Dann nähe den Riß er wieder zu;
Die Furcht aus dem Herzen räume du!Ein Kraut, das ich sage, stampfe dasMit Milch, und im Schatten es trocknen laß';Reib' und streich' es an jener Wunde,
Und du siehst sie gesund zur Stunde.
Dann reib' daran eine Feder mein,
Meine Macht wird dir heilsam sein.
Freuen muß sich dein Herz darob,
Und zum Herrn sich erheben mit Lob,
Denn er gab dir den fürstlichen Sproß,Den dir zur Blüte dein Glück zieht groß."
Es kam ein Mobede 1 voll Zauberein,
Der machte die Holde trunken mit Wein.
Die Seit' ihr spaltet' er ohne Weh,
Und kehrte dem Kinde den Kopf in die Höh'.
Ohne Schaden so bracht' er es da,
Daß nie die Welt solch Wunder sah:
Es war ein Kind wie ein Löwenbold,
Groß von Gestalt und von Anblick hold.
Zwo Hände voll Blut aus der Mutter es kam,
Nie jemand von solchem Kinde vernahm.
Erstaunt darob war Mann und Weib;
Wo trug ein Kind Elefantenleib?
Die Mutter lag vierundzwanzig Stunden
Berauscht vom Wein, die Besinnung entschwunden.
Die Stelle des Schnitt's ward zugenäht,
Die Wunde mit Arzneien gebäht.
Als die Zypresse vom Schlaf erwacht',
Redete sie zur Mutter und lacht';
Gold und Juwelen ihr streuten sie,
Lobpreis dem Schöpfer weihten sie."
1 D. i. ein „Weiser", meist ein zauber- und heilkundiger Priester.
v. Lippmann, Abhandl. u. Vortr. Ii.
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