sowie der „Candi", den man, um Durst zu stillen, langsamauf der Zunge zergehen läßt. 1
Aus Zucker und Veilchensaft verfertigt man den Veilchen-zucker (euere violet) und Veilchensirup, 2 aus Zucker und Essigden Essigsirup (Oxisachar, auch Sirop sesacre); 3 der „Triade"ist aber nicht (wie man aus dem späteren Sinne des englischentreacle = Sirup, Melasse, schließen könnte) ein Zuckersirup,sondern bedeutet Theriak, das bekannte, aus unzähligen Be-standteilen zusammengesetzte Gegengift, das zugleich als All-heilmittel für Krankheiten jeder nur denkbaren Art galt. 4
Süßen Geschmack besitzt auch das Süßholz (ricolice= reglisse) und dessen eingekochter Saft (jus de ricolisse);an Stücken seiner Wurzel läßt man die kleinen Kinder kauen,weil hierdurch das Zahnen befördert wird. 5 Dauci (=daucus,Karotte) und Rüben (Bietes, betes) werden ebenfalls er-wähnt, jedoch nur als wohlbekömmlich und von kühler Natur,ohne besondere Betonung ihres süßen Geschmackes. 6
Durch Gärung von Traubensaft und Fruchtsäften erhältman Wein und Obstwein, z. B. Apfelwein (vin de poumes), 7durch Gärung eines Auszuges von Roggen- und Hafermalzdas Bier (Ciervoise = cerevisia), ein schädliches, und in jederHinsicht sehr ungesundes Getränk, 8 das mit Mentha (= Minze)gewürzt wird. 9 „Vin aigre", d. i. saurer Wein oder Essig,bildet sich, wenn Wein drei oder vier Tage an der Luft in derSonne steht, und in noch kürzerer Zeit, wenn man ihn mittelseiniger hineingeworfener heißer Steine anwärmt; 10 bei guterBeschaffenheit, die man daran erkennt, daß er, auf die Erdegegossen, schäumt, ist er von äußerst kalter Natur. 11
1 S. 114, 55. Näheres über Fanid und Kandis siehe in meiner „Ge-schichte des Zuckers" (Leipzig 1890). 2 S. 61, 64, 69. 3 S. 69, 51.4 S. 153, 163. 6 S. 69, 78. 8 S. 52; 51, 64, 164. 7 S. 19ff., 80,117, 147, 17. 8 S. 17, 94, 118. 9 S. 119, 169. 10 S. 57, 61, 120 u. oft.;in Bosnien bedient man sich noch jetzt heißer Steine zur Bier- und Essig-erzeugung. 11 S. 120; siehe über diesen Aberglauben meine „Abhandlungenund Vorträge".
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ALDEBRANDINO DI SIENAS „REGIME DU CORPS"