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ZUR GESCHICHTEDER VERLÖTUNG VON BLEIROHREN 1
or kurzem befragte mich ein in der Schwefelsäure-industrie tätiger Chemiker, ob die von ihm in irgend-einem Fachblatte gelesene Behauptung zutreffe, „daßdie unmittelbare Lötung des Bleies, allein mittels metallischenBleies, bereits im Mittelalter bekannt gewesen sei?"
Diese Angabe ist tatsächlich richtig, und geht wohl aufdas „Speculum Naturale" des Vincentius Bellovacensis(Vincent de Beauvais) zurück, des im Jahre 1264 verstorbenen,gelehrten Vorlesers König Ludwigs IX. von Frankreich. Im8. Buche des 1. Teiles heißt es daselbst in dem Absätze, derüber das Zinn (stannum) handelt: „Wenn Zinn längere Zeitmit Feuchtigkeit in Berührung ist, so wird es zerstört (putrescit).Deshalb hat der menschliche Scharfsinn in neuerer Zeit dieVerbesserung ausgedacht die unterirdisch liegenden bleiernenWasserleitungsröhren nicht mehr mit Zinn zu löten (consoli-dari), sondern mit heißem geschmolzenem Blei: denn die mitZinn zustande gebrachten Lötstellen waren niemals dauerhaft(durare non poterant in longinquum), das Blei ist aber unterder Erde für alle Zeit beständig (semper durat)."
Da Vincentius Bellovacensis sein Werk fast ausschließ-lich aus den Schriften älterer Zeitgenossen und Vorgänger zu-sammengetragen hat, z. B. aus jenen des Platearius, Jacobus1 „Chemiker-Zeitung" 1912, S. 437.