202 F.TN VORLÄUFER DES PAPINSCHEN DAMPFTOPFES
Tisane (ptisana) aus Gerstenschleim: 1 . man bringt ihnnebst Regenwasser in einen neuen Topf, setzt den Topf, nach-dem man ihn verschlossen und verschmiert hat (clausam ollamilliniri), abends in einen Ofen, der mit glühenden Kohlen ge-füllt ist, und läßt ihn, von diesen umgeben, dort die ganzeNacht über stehen; durch den Dampf geht nämlich der Schleimin Lösung, und macht die Brühe dick und kleisterartig". Anspäterer Stelle 2 wird noch, hinsichtlich der Zulässigkeit zartenFleisches, bemerkt: „Manche kochen in der Tisane auch Kalbs-füße (ungulas vitulinas) die ganze Nacht hindurch, bis sie sichlösen, wodurch der Schleimsaft steif wird und gelatiniert"(spissus fit et glutinosus).
Dieser kurzen Schilderung, die Philumenos zweifelloseinem älteren Autor entlehnte, — denn er selbst wird als„bloßer Elektiker und Kompilator" bezeichnet —, ist zu ent-nehmen, daß ein Verfahren des Kochens unter Druck in einemTopf mit gut passendem und dampf dicht aufgekittetem Deckel,spätestens schon im 3. Jahrhunderte unserer Zeitrechnungpraktisch angewandt, und jedenfalls auch allgemeiner bekanntwar, da es Philumenos nicht mit dem Ansprüche auf Neu-heit beschreibt. Merkwürdig bleibt, daß es auch schon zur Dar-stellung einer Gelatine diente, denn, neben der Bereitung einerQuintessenz aus Fleisch und aus Knochen, zählte gerade dieeines (angeblich sehr nahrhaften, und die wertvollsten Bestand-teile des Fleisches enthaltenden) Gelees zu den Hauptaufgaben,die Pap in mit Hilfe seines Dampftopfes gelöst zu habenglaubte; 3 ein sehr wesentlicher Teil des Pap in sehen Digestors,der sich als dauernd wichtige Errungenschaft auf die Nachweltvererbt hat, fehlt allerdings bei Philumenos: das Sicher-heitsventil.
1 a. a. O., S. 42. 2 a. a. O., S. 46. 3 Siehe meine „Abhandlungenund Vorträge zur Geschichte der Naturwissenschaften" (Leipzig 1906, S. 344).