160 DI E „ENTSALZUNG DES MEERWASSERS" BEI ARISTOTELES
welcher Absorption zutage. Schon sollten weitere Versuchein dieser Richtung, da alle Abänderungen fruchtlos blieben,eingestellt werden, als zufällig eines Tages, statt eines neuenGefäßes wie bisher, ein älteres zur Anwendung kam, das mannach dem Gebrauche gründlich ausgespült, gewaschen, unddann an der Luft getrocknet hatte: diesmal nun schmecktedas eingedrungene Wasser ganz erheblich milder, und dieAnalyse ergab auch nur 1,5% Salzgehalt. Als Ursache dieserauffälligen Erscheinung erwies sich ein unerwartet hohes Auf-saugungsvermögen des Tones für Flüssigkeiten; ein neuer, invöllig trockenem Zustande 602 g schwerer P/ 4 Liter-Krug, denman einige Zeit in reines Wasser setzte, dann ausgoß und sorg-fältig abtrocknete, so daß er beim Stehen dauernd trocken bliebund sich auch ganz trocken anfühlte, wog nicht weniger als695 g, er hatte also in seinen Wandungen 93 g Wasser auf-gespeichert, d. i. rund 15,5% des anfänglichen Gewichtes.Versenkte man ihn in diesem Zustande in das große, mit drei-prozentigem Salzwasser gefüllte Blechgefäß, so wurden binnen45 Minuten 50 ccm Wasser in seinen Hohlraum gedrückt, unddieses Wasser war völlig süß, ganz rein (spez. Gewicht= 1,0015), und so salzfrei, daß es mit Silbernitrat nur einekaum merkliche Trübung zeigte; es war eben das vorher seitensder Wandungen aufgesaugte reine Wasser, das nun, demäußeren Drucke folgend, zuerst in das Innere des Kruges drang.
Aristoteles oder sein Vorgänger hat also offenbar den„Versuch" nicht mit einem neuen Tongefäße angestellt, sondernmit einem schon gebrauchten, gereinigten, das anscheinendtrocken war, in der Tat aber in seinen Wandungen süßesWasser enthielt; je nach der Dicke und Porosität des Gefäßes,und je nach der Höhe des Druckes beim Einsenken in dasMeer, mußte dann nach Ablauf einer bestimmten Zeitdauer,— die nach den angestellten Proben sehr wohl zwischen 1 Stundeund 24 Stunden variieren kann —, tatsächlich eine gewisseMenge trinkbaren Wassers im Inneren des Gefäßes zu finden