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CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON
alle Geschlechter der hellenistischen und mittelalterlichenAlchemisten bis zu den Rosenkreuzern des 18. Jahrhundertsfort; noch Goethe fand in der „Aurea catena Homeri",einer aus rosenkreuzerischem Kreise herrührenden Schrift,„die Natur in schöner Verknüpfung dargestellt", und auchSchiller sagt im Gedichte „Die Weltweisen" von der Natur:
Sie sorgt, daß nie die Kette bricht
Und daß der Reif nicht springe.
Wie schon aus diesen letzten Anführungen ersichtlichist, beherrschen platonische Gedanken in mehr als einerHinsicht auch noch die Ausdrucksweise unserer Zeit. Wennwir von der „Harmonie des Weltalls" sprechen, vom „Kreis-laufe der Elemente und des Lebens", von „der Sinnen-und der Geisteswelt" (mundus sensibilis et intelligibilis),von der „Weltseele", vom „Leibe als Kerker der unsterb-lichen Seele", von „irdischer und himmlischer Liebe", von„platonischer Liebe", von der Liebe als „obherrschendemWeltprinzip", von „Ideen", von „den vier Kardinaltugenden",vom „Schwanengesang", 1 vom „atlantischen" Ozean, von„der Zeit, da die Könige Philosophen oder die PhilosophenKönige sein werden"; wenn wir aus Shakespeare zitieren„Des Dichters Aug' in schönem Wahnsinn rollend", ausGoethe „War' nicht das Auge sonnenhaft...", 2 oder „Wemsie (die Schönheit) erscheint, wird aus sich selbst entrückt"; 3wenn wir den Spruch anführen: „Es gibt viele Thyrsos-träger, aber nur einen Bacchus", oder „Ein großer Freundist mir Sokrates, ein größerer die Wahrheit", 4 — so sindwir uns kaum mehr bewußt, daß es der Glanz platonischerEdelsteine oder doch platonischer Fassung ist, dessen wiruns erfreuen.
Das Fortleben der naturwissenschaftlichen Ansichten und
1 Phädon IV, 501. 2 s. meine Mitteilung im Goethe-Jahrbuch,
Bd. 15, S. 267. 3 ebd., Bd. 24, S. 220. 4 Phädon IV, 509.