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2 (1913)
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CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON

alle Geschlechter der hellenistischen und mittelalterlichenAlchemisten bis zu den Rosenkreuzern des 18. Jahrhundertsfort; noch Goethe fand in derAurea catena Homeri",einer aus rosenkreuzerischem Kreise herrührenden Schrift,die Natur in schöner Verknüpfung dargestellt", und auchSchiller sagt im GedichteDie Weltweisen" von der Natur:

Sie sorgt, daß nie die Kette bricht

Und daß der Reif nicht springe.

Wie schon aus diesen letzten Anführungen ersichtlichist, beherrschen platonische Gedanken in mehr als einerHinsicht auch noch die Ausdrucksweise unserer Zeit. Wennwir von derHarmonie des Weltalls" sprechen, vomKreis-laufe der Elemente und des Lebens", vonder Sinnen-und der Geisteswelt" (mundus sensibilis et intelligibilis),von derWeltseele", vomLeibe als Kerker der unsterb-lichen Seele", vonirdischer und himmlischer Liebe", vonplatonischer Liebe", von der Liebe alsobherrschendemWeltprinzip", vonIdeen", vonden vier Kardinaltugenden",vomSchwanengesang", 1 vomatlantischen" Ozean, vonder Zeit, da die Könige Philosophen oder die PhilosophenKönige sein werden"; wenn wir aus Shakespeare zitierenDes Dichters Aug' in schönem Wahnsinn rollend", ausGoetheWar' nicht das Auge sonnenhaft...", 2 oderWemsie (die Schönheit) erscheint, wird aus sich selbst entrückt"; 3wenn wir den Spruch anführen:Es gibt viele Thyrsos-träger, aber nur einen Bacchus", oderEin großer Freundist mir Sokrates, ein größerer die Wahrheit", 4 so sindwir uns kaum mehr bewußt, daß es der Glanz platonischerEdelsteine oder doch platonischer Fassung ist, dessen wiruns erfreuen.

Das Fortleben der naturwissenschaftlichen Ansichten und

1 Phädon IV, 501. 2 s. meine Mitteilung im Goethe-Jahrbuch,

Bd. 15, S. 267. 3 ebd., Bd. 24, S. 220. 4 Phädon IV, 509.