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2 (1913)
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50
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50 CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON

Wahrnehmung, so entsteht auch das Sehen durch Wechsel-wirkung des Wahrnehmenden und des Wahrgenommenen,also des Aktiven und Passiven: 1 Das in uns befindlichefeurige Element strömt als Licht, in Form eines Sehstrahles,durch das Auge aus, desgleichen entsenden aber auch dieObjekte Ströme ihrer feinsten Teilchen; nun wird (wie schonEmpedokles erwähnt) Gleiches von Gleichem erkannt;sind also diese Teilchen jenen des Auges angemessen undanverwandt, so können sie im Auge eine Empfindung er-regen, und es entsteht dann da, wo beide Arten Partikelchenzusammentreffen, also zwischen Auge und Gegenstand, dasBild, das wir wahrnehmen. 2 Das sehende Organ und dasgesehene Licht, ohne das Subjekt und Objekt nicht auf-einander wirken könnten, sind wesensverwandt, und mitRecht bezeichnet man daher das Auge als das sonnen-ähnlichste unter den Werkzeugen der Sinne. 3

Sind die von den Gegenständen ausgehenden Teilchengenau ebenso groß wie jene des Sehstrahles, so erscheinendie Objekte durchsichtig, sind sie größer, so bewirken sieErweiterung und Weiße des Bildes, sind sie kleiner, sobedingen sie Verengerung und Schwärze; durch abgestufteVermischung dieses Hellen und Dunklen entstehen alleübrigen Farben. 4 Die Farbe, für deren Auftreten natürlichdas Vorhandensein des Lichtes Bedingung ist, 5 existiertalso nicht für sich selbst; sie ist kein Seiendes, sondernein Werdendes, und entsteht erst durch das Aufeinander-wirken von Objekt und Subjekt. Daher erscheint sie keines-wegs allen Wahrnehmenden gleich, ja nicht einmal stetsder nämlichen Person, denn auch der Zustand des Be-obachtenden wechselt; 6 zudem gibt es Schwach- und Kurz-sichtige. 7

1 Theätet III, 121; Staat V, 511. 2 Timäus IV, 164; Phädros IV, 124;

Menon II, 134; Timäus VI, 191. 3 Staat V, 511, 512. 4 Timäus VI, 191 ff.

5 Staat V, 511. 6 Theätet III, 117. 7 Staat V, 625.