48 CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON
V. 218 —, zieht es an und wird von ihm angezogen, und strebtnach jenem Orte hin, der seinem wesentlichen Elemente imWeltganzen zugeordnet ist. 1 Das leicht Bewegliche bewegtauch leicht sich selbst und das Umgebende, verhält sich alsoaktiv; das schwer Bewegliche ruht und beeinflußt seine Um-gebung nicht, bleibt demnach passiv. 2 — Ob Piaton im„Streben zur Erde" eine Schwere im heutigen Sinne gesehenund ihren Sitz in den Mittelpunkt der Erde verlegt hat, bleibtungewiß; allerdings gibt er an, die unterirdischen Wässerkönnten von entgegengesetzter Seite her nur bis zum Erd-zentrum vordringen, aber nicht darüber hinaus, weil die weitereBewegung eine wieder zur Oberfläche aufsteigende wäre. 3
Die Kenntnis der Wirkungen von Bewegtem und Un-bewegtem, leicht und schwer Bewegtem, Leichtem undSchwerem usf., sowie die Lehre von den Bedingungen desGleichgewichtes, ist die Statik; 4 wo Gleichgewicht besteht,ist kein Streben nach Bewegung mehr vorhanden, 5 wie diesz. B. die Schalen der einspielenden Wage zeigen. 6
Im Weltall herrscht unaufhörliche, von Anfang an mitihm verbundene Bewegung; da nun die Kugelgestalt desKosmos alle seine Teile zusammenhält und keinem ein Ent-weichen gestattet, da ferner die Partikelchen der Luft unddes Feuers, als der feinsten Elemente, die der gröberen zudurchsetzen vermögen, und die Natur sie in die Lückender letzteren zusammenzudrängen strebt, so ist ein Vakuumoffenbar ganz undenkbar. 7 Aus der Unmöglichkeit desVakuums erklärt sich das Einströmen von Flüssigkeiten indie (in erwärmtem Zustande aufgesetzten) Schröpfköpfe derÄrzte, und ebenso beruht auf ihr, und nicht auf einer „An-ziehungskraft", das Verwunderung erregende Verhalten desBernsteins und des herakleischen Steines; 8 dieser, den
1 Protagoras I, 468; Lysis I, 248; Gastmahl IV, 298; Timäus VI, 164,
173,186. 2 Timäus VI, 186ff. 3 Phädon IV, 534ff. 4 Charmides I, 315.
5 Timäus VI, 179. 6 Staat V, 564. 7 Timäus VI, 179,182, 205. 8 Timäus VI, 207.