CHEMISCHES UND PHYSIKALISCHES AUS PLATON 35
Feuer aber wirkt zerschneidend infolge der Schärfe der Kantenund Winkel seiner Dreiecke, der Schnelligkeit ihrer Bewegung,sowie ihrer Kleinheit; hieraus erklärt es sich, daß kein Körperden Durchgang der Wärme völlig aufzuhalten oder zu ver-hindern vermag, und daß die Hitze für uns mit der bestimmtenEmpfindung eines „Scharfen" verbunden ist. 1
Von der Luft gibt es gleichfalls mannigfache Arten undGrade. Wenn ihre Dichte, die genügt, um Gegenstände vonder Erde aufzuwirbeln, 2 noch zunimmt, so wird sie unreiner,und bildet zunächst Dämpfe und Dünste, die Träger der Ge-rüche, die zwar schon dichter als Luft, aber noch dünner alsWasser sind, und daher erst bei weiterer Verdichtung in diesesübergehen. 3 Die reinste Luft, der gewöhnlichen an Reinheitebenso weit überlegen wie diese dem Wasser, ist der Äther,der vermöge seiner Leichtigkeit über den irdischen Luftraumemporsteigt und ihn in stetiger Strömung umkreist. 4 — Esist bemerkenswert, daß Piaton den Äther nicht als fünftesElement anerkennt; als solches wird er erst in dem später zu-gefügten 13. Buche der Gesetze („Epinomis") bezeichnet. 5
Das Wasser ist seinem Wesen nach sehr unbeständig,und so leicht zu schädigen und zu verderben, daß seine Rein-heit im öffentlichen Interesse unter gesetzlichen Schutz ge-stellt wird; 6 durch die Zwischenstufen des Rauches und derDünste geht es unter Umwandlung seiner Natur in Luftüber, beim Entweichen seiner Luft- und Feuerteilchen aberverdichtet es sich, und gesteht oberhalb der Erde zuSchnee und Hagel, auf der Erde zu Reif und Eis. 7 Inrichtiger Mischung mit Feuerteilchen, d .h. bei genügenderWärme, nehmen es die Pflanzen als ihr wichtigstes Nahrungs-mittel auf und erzeugen aus ihm ihre Säfte, von denen es vier
1 Timäus VI, 178, 184, 204; 179. 2 Kratylos II, 613. 3 TimäusVI,
17 9ff., 190; Phädon IV, 534 ff. 4 Timäus, a. a. O.; Phädon, a. a. O.;
Kratylos Ii, 613. 6 Epinomis VIII, 130. 6 Gesetze VII, 276.
7 TimäusVI, 190, 182; Phädon IV, 526, 530.
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