2
WIE IST DER AUSDRUCK „CAPUT MORTUUM"FÜR EISENOXYD ZU ERKLÄREN? 1
n seiner „Schule der Chemie" (Bd. II, S. 214)erwähnt Geheimrat Prof. Dr. W. Ostwald dieBezeichnung des Rückstandes von der Destillationdes Eisenvitriols als „Caput mortuum" und sagt hierüber:„Den Vorgang (bei der Destillation) hat man mit dem Todeverglichen, wo die Schwefelsäure gleichsam als die Seeledes Eisenvitriols entwichen ist, und den Leichnam, vondem schließlich nur der Schädel übrig blieb, zurückgelassenhat"; gelegentlich einer Besprechung des OstwaldschenWerkes in der „Naturwissenschaftlichen Rundschau" (Bd. XX,S. 398) bezeichnet Prof. Dr. Biehringer in Braunschweig dieseErklärung als nicht recht einleuchtend, und hält es fürwahrscheinlich, daß man etwa, wie z. B. bei RaymundLullus zu lesen, den Destillationsprozeß mit einem Drachenverglichen und dann das Destillat als dessen unteres Ende,demnach als Schwanz, den Rückstand aber als oberes Ende,demnach als Kopf, angesehen habe, und zwar wegen seinerWiderstandsfähigkeit gegen Säuren als toten Kopf, Caputmortuum. Da jedoch in dieser Hinsicht die Literatur an-scheinend völlig im Stiche lasse, solle das Zutreffen dieserHypothese dahingestellt bleiben, und ihr Urheber fordert
»Chemiker-Zeitung" 1906, S. 323.