4 CHEMISCHES AUS DEM „PAPYRUS EBERS"
Laien, so daß auch die größte Gewissenhaftigkeit sie nicht da-vor schützt, dort Fehler zu begehen, wo sie deren Möglichkeitgar nicht ahnen; wenn also z. B. Joachim-Lieblein von den„Spänen des Grünspans", von „Kupferkohle", vom „Granitdes Anch-Metalles" sprechen, 1 den Weidenbaum Beeren tragenlassen, 2 oder den alten Ägyptern den Genuß von „Zucker-kuchen" zuschreiben, 3 so darf man derlei Irrtümer nicht allzuscharf beurteilen, — man wird aber durch sie auch hinsichtlichmancher anderer Stellen zweifelhaft und ängstlich werden.Der Einwand, daß es unter solchen Umständen wohl über-haupt nicht ratsam erscheine, vom chemischen Standpunkteaus an ein Werk wie den Papyrus Ebers heranzutreten, liegtdaher nahe; er darf jedoch, wie ich dies schon wiederholt beianalogen Anlässen hervorhob, zurückgewiesen werden, denn er-fahrungsgemäß bringen gerade erst derartige Versuche die ein-schlägigen Fragen in Bewegung, veranlassen die eigentlichenFachgelehrten, sich mit den auftauchenden Problemen zu be-schäftigen, und führen so, an der Hand des dem Laien un-bekannten und unzugänglichen Materials, ganz von selbstzur Berichtigung der begangenen Fehler; an solchen wird esnatürlich nie mangeln, sie werden aber auch niemanden über-raschen, der da bedenkt, daß die gelehrte Arbeit mehrererJahrhunderte noch bei weitem nicht hinreichte, um auch nurdie sogenannten „naturhistorischen Realien" der griechischenund römischen Literatur aufzuklären, geschweige denn etwadie der arabischen oder indischen.
I. Mineralische Stoffe.
1. Das am längsten bekannte (weil am leichtesten gewinn-bare) Metall scheint, wie in Vorderasien so auch in Ägypten,das Kupfer gewesen zu sein, das ursprünglich (schon im5. Jahrtausende v. Chr.) die Gruben der Sinai-Halbinsel
1 Joachim, S. 118, 190, 160. 2 ebd., S. 166. 3 ebd., S. 77, 115, 179.