Druckschrift 
Des Pedanias Dioscuvides Arzneimittellehre in 5 Büchern
Entstehung
Seite
451
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

IV. Buch. Cap. 153 (156).

451

tödtet im Zäpfchen eingelegt den Embryo. Mit Milch in die Nasenlöcherinjicirt befreit es von der Gelbsucht und vertreibt chronische Kopf-schmerzen. Für die an Entzündung der Schlundmuskeln Leidenden istes mit altem Oel, Honig oder Ochsengalle eine bewährte Salbe. Diefein gestossene Wurzel der gebauten Gurke zu 1 Drachme mit Honig-wasser getrunken bewirkt auch Erbrechen; wenn Jemand nach der Mahl-zeit leicht erbrechen will, genügen 2 Obolen.

In den Codices ist dieses Capitel init dem vorigen verbunden.

') Wohl nur leichte, obenauf schwimmende Pflanzentheile. 2 ) 2 Chalkoi; Chalkos,eigentlich eine Kupfermünze, auch der achte Theil des Obolos, Dichalkos also dervierte Theil eines solchen.

Theophrast (Hist. pl. IX 9, 4) und Plinius XX 3 weichen in der Bereitungdes Elaterion insofern von D. ab, als sie dasselbe nur aus den ausgepressten Samenherstellen lassen. „Der Same," sagt Plinius, „wird, um den reichlichen Abfluss desSaftes zu vermeiden, mit Asche bestreut, man presst aus, fängt den Saft in Regen-wasser auf, lässt absetzen, darauf an der Sonne verdunsten und formt aus der ver-dickten Masse Kügelchen; das ächte soll, der Lampe genähert, die Flamme auf- undabwärts bewegen." Klar ist sich Plinius über die Sache wohl nicht gewesen; unter»Semen" muss die Frucht verstanden werden. Das Elaterion des D. ist eine Art Satz-mehl, welches durch wiederholtes Auswaschen gereinigt wird, wobei die letzten An-theile Wasser mit einem Schwamm entfernt oder durch Asche abgesogen wurden.Es konnte wohl kaum weiss, sondern, wie die Versuche gezeigt haben, nur weisslich-grau sein und bestand aus Harzen, Satzmehl und sonstigen wasserunlöslichen Pflanzen-stoffen, die Feuerprobe bei der Untersuchung ist leicht zu erklären. Die lauchgrüneFarbe des minderwerthigen Präparates rührt vom grünen Safte her.

Das Elaterion war ein in hohem Ansehen stehendes Mittel; nach Theophrast(Hist. pl. IX 14, 1) behielt es „laut verbürgter Nachricht eines zuverlässigen Arztesseine Kraft 200 Jahre; der Grund davon ist der, dass es so lange feucht bleibt"; eswurde in feuchter Asche aufbewahrt — und diese ist ja selbst hygroskopisch.

Wir kennen das Elaterion in zwei Formen: das Elaterium anglicumist weiss-grau oder grünlich, hergestellt aus den unreifen Früchten nach der modificirten Me-thode des D. Das Elaterium germanicum, der aus den reifen Früchten gepressteund zur Trockne eingedampfte Saft ist dunkelgrünbraun, auf dem Bruche etwasglänzend, in Wasser und Alkohol löslich, schmeckt widerlich bitter, nicht scharf.Der wesentlichste Bestandtheil ist das Elaterin, ein färb- und geruchloser, sehrbitter schmeckender und höchst drastisch wirkender Körper in glänzenden, tafel-förmigen Krystallen. Das Elaterium ist aus dem Arzneischatze wohl verschwunden.

Cap. 153 (156). Ilspi hzacpidoz orcpta?. Scharfer Rittersporn.Die wilde Staphis [Einige nennen sie Tnphyllon, Andere Stesion 1 ), Astaphis,Phtheiroktonon 2 ), Phtheirion 3 ), Apanthropon 4 ), Polyeides, Pseudopathes 0 ),Arsenote, die Aegypter Ibesaoide, die Römer Herba pedicularia 8 )] hatwie beim wilden Wein eingeschnittene Blätter, aufrechte, weiche, schwarzeStengelchen; sie trägt eine Blüthe ähnlich gefärbt wie der Waid, dieSamen in grünen Hülsen wie bei der Erbse, dreikantig, rauh, schwärz-lichgelb, innen weiss, mit scharfem Geschmack. Wenn man 15 Körnerdavon, in Honigmeth fein gerieben, gibt, so erfolgt Reinigung durch Er-