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Des Pedanias Dioscuvides Arzneimittellehre in 5 Büchern
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Vorwort.

Ideale hat jedes Gebiet, mögen sie dem eigenen oder einem fremdenVolke, der ruhmreichen Neuzeit oder einer grossen Vergangenheit an-gehören. Für das gesammte Gebiet der Heilkunde liegen sie unstreitigzunächst im griechischen Alterthume, dem auch das vorliegende Werkangehört. Leider aber werden gerade diese so wenig gewürdigt; klagtdoch auch Kobert 1889 in der Vorrede zu seinen Historischen Studien:Ihre (der Medicin) Augen sind unverwandt auf das rein Praktischeund die Gegenwart gerichtet; das, was dahinter liegt, und was nichtdirect in der Praxis mit Nutzen verwerthet werden kann, straft sie mit,wie sie meint, verdienter Verachtung." Und doch ist die Geschichteder Medicin und Pharmacie ein grosses Stück Kulturgeschichte. DieFrüchte des gewerblichen Absolutismus und der Verwerfung der Idealezeigen sich an den auf dem Felde der praktischen Heilkunde herrschendenaugenblicklichen Zuständen.

Schon vor längerer Zeit beschäftigte mich der Plan, die Materiamedica des Dioskurides, das vollkommenste und bedeutendste Werkdes griechischen Alterthums über die einfachen und zusammengesetztenHeilmittel zu übersetzen und sachlich zu erklären, aber zögerndstand ich vor einer Arbeit, welche so viele verschiedene Gebiete be-rührt, um so mehr, als ich abseits der grossen gelehrten Heerstrasseund fern von den Stapelplätzen der Wissenschaften auf die Liebens-würdigkeit einiger Bibliotheken angewiesen war. Erst als die altenSprachen, besonders die griechische, im Schulunterricht eine Einschrän-kung erfuhren, als auch den Abiturienten der ßealanstalten das Studiumder Medicin eingeräumt wurde, habe ich, der Aufforderung hochstehenderMedicohistoriker folgend, das Werk begonnen.

Zu Grunde gelegt ist der Sprengel'sche Text in der Ausgabe vonKühn. Die Uebersetzung ist durchaus wörtlich gehalten, um den Eigen-thümlichkeiten des Autors treu zu bleiben; dabei sind die verschiedenenLesarten insoweit berücksichtigt, als sie nicht rein philologisches Inter-esse haben. Die Zahlenbezeichnungen der Capitel sind die des Textes.Die [] gehören dem Texte an, die () beziehen sich auf Zusätze desUebersetzers. Die Synonyma sind, soweit es ging, ohne Zwang zudeuten versucht.

Zu Vergleichungen wurden in erster Reihe Theophrast und Plinius,der Zeitgenosse des Dioskurides, herangezogen.