ROB. MAYER U. D. GESETZ V. D. ERHALTUNG DER KRAFT 535
gewicht genau ausbalancierten Kolben, der soweit herab-gelassen wurde, daß er gerade 1 m über der Grundflächesteht, so daß also genau 1 cbm Gas im Zylinder ab-gesperrt ist. Wird nun der Kolben z. B. durch eine Stell-schraube in dieser Lage festgehalten und das abgesperrte Gasauf irgend eine Weise erwärmt, z. B. von 0° bis 100°, so wirdes allmählich die letztere Temperatur erlangen, ohne seinVolumen ändern zu können, weil es hieran durch den ab-sperrenden Kolben gehindert wird; die Erwärmung von 0 bis100° verlangt hierbei die Zufuhr einer gewissen Menge vonWärme, die nach bekannten physikalischen Methoden genaubestimmbar ist. Man wiederhole nun ganz den nämlichenVersuch, jedoch mit der einen Abänderung, daß die Stell-schraube beseitigt werde, der Kolben sich also frei bewegenkann. In diesem Falle wird sich das Gas während des Er-wärmens ausdehnen, und die schließliche Wärmegrenze von100° unter beträchtlicher Vergrößerung seines Volu-mens erreichen, wobei der Kolben im Zylinder ein StückWeges in die Höhe geschoben werden wird. Es zeigt sichnun, daß in diesem zweiten Falle zur Erwärmung des näm-lichen Quantums Luft von 0 auf 100° eine erheblich größereWärmemenge zugeführt werden muß als im ersten. Die Ur-sache dieser merkwürdigen Erscheinung liegt nach Mayerdarin, daß bei der zweiten Art der Versuchsanordnung außerder bloßen Erwärmung der Luft auch noch eine Arbeit ge-leistet, nämlich der Kolben im Zylinder nach oben geschobenwird. Die Größe dieser Arbeit läßt sich berechnen, da maneinerseits das zugeführte Wärmequantum nach zuverlässigenMethoden feststellen kann, andererseits aber auch die zur Er-hebung des Kolbens aufgewendete Arbeit genau bestimmbarist: man mißt nämlich die Höhe, auf die der Kolben gehobenwurde, sowie (durch barometrische Beobachtung) das Ge-wicht der Luft oder den Luftdruck, der auf ihm lastete, undbei seiner Hebung überwunden werden mußte.