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BACON VON VERULAM 1
u den, vor nicht allzu langen Jahren modern gewesenen»Rettungen", die den Zweck verfolgten, geschichtlichoder literarisch übel beleumundete Individuen vor derMitwelt zu rechtfertigen, sie als Opfer unglückseligerVerhältnisse hinzustellen, und ihre wirklichen oder vermeint-lichen Verdienste ins rechte Licht zu setzen, befinden sich ge-wisse, der jüngsten Zeit angehörige Bestrebungen in auffälligemGegensatze; sie zielen dahin ab, den Ruf hervorragender Persön-lichkeiten als erschlichen nachzuweisen, ihnen ihre Leistungenabzusprechen, und den Kranz des Ruhmes zu zerpflücken, mitdem die Mit- oder Nachwelt edle Häupter gekrönt hat. DaßAbsonderlichkeiten der einen wie der anderen Art Verbreitungund Anhang finden, wird niemanden überraschen, der es gelernthat, die Schwächen der Menschheit und die Größe der vonallem Paradoxen ausgehenden Macht historisch zu erkennenund zu würdigen; Ideen solcher Gattung erfreuen sich, wie manwohl sagen könnte, einer komprimierten Unsterblichkeit, diesich nicht auf die Zeit, sondern auf den Raum erstreckt: sietauchen auf, fassen Boden, werden urplötzlich aller Orten ver-breitet und besprochen, beschäftigen zahlreiche Geister, ver-schwinden nach kürzerer oder längerer Frist ebenso rasch wie
1 Vortrag, gehalten in der Sitzung des „Naturwissenschaftlichen Vereins"für Sachsen und Thüringen zu Halle a. S. am 9. Dez. 1897 (s. „Zeitschriftfür Naturwissenschaften" 1897; Bd. 70, S. 257).