370 LIONARDO DA VINCI ALS GELEHRTER UND TECHNIKER
ihrer Wasserläufe nachforschend, soll er bis in das Herz der,zu jener Zeit fast nie ohne dringendste Not betretenen Hoch-alpen vorgedrungen sein, die Schönheiten der alpinen Naturgepriesen, und sogar eine Besteigung der Schneegipfel derMonte Rosa-Gruppe, — allerdings erfolglos —, versucht haben.
Die Abhängigkeit des Wasserstandes in Kanälen undFlüssen von den Niederschlagsmengen in den sie speisendenGebieten veranlaßte Lionardo auch zu meteorologischenBeobachtungen. Als Ursache des Witterungswechsels bezeichneteer einerseits die Verdichtungen und Verdünnungen der Luft,die die Entstehung von Winden zur Folge haben, andererseitsdie Veränderlichkeit des Wassergehaltes der Luft; zur Be-stimmung des letzteren konstruierte er ein Hygrometer, be-stehend aus einer kleinen Wage, an deren Armen sich einStückchen Wachs und ein Bausch Baumwolle in völlig trockenemZustande das Gleichgewicht hielten, während bei nassem Wetterdie Baumwolle Feuchtigkeit anzog, so daß ihr Hebel herab-sank und die Wage einen Ausschlag gab. Auch über kaltemWasser und bei gewöhnlicher Temperatur bilden sich wässerigeDünste, die sich allmählich zu Wolken verdichten, die ausgroßen Massen feiner Wassertröpfchen bestehen; ihre Lage istkeineswegs durch den Zufall bestimmt, vielmehr bleiben sieda schweben, wo sich die Kräfte des Auftriebes und derSchwere eben aufheben, so daß sie stets leichter als alles unter,und schwerer als alles über ihnen Befindliche sein müssen.Daß sich Witterung und Winde nach gewissen Gesetzen ändern,und namentlich auch Zusammenhänge zwischen Winden undozeanischen Strömungen bestehen, ist fraglos; doch reichen diebisherigen Kenntnisse nicht hin, sie festzustellen, wie man dennz. B. nicht einmal weiß, mit welcher Geschwindigkeit sich dieseStrömungen bewegen. — Aus dem Bestreben, in dieser RichtungMessungen vorzunehmen, ist vielleicht die (bereits erwähnte)