GESCHICHTE DER KONSERVEN U. DES FLEISCHEXTRAKTES 345
geistigen und flüchtigen Bestandteile des Fleisches, die manbeim üblichen Einsalzen verliere, festzuhalten vermöge.
Zur Präservierung frischen Fleisches für kürzere Zeit-dauer empfiehlt Leibn iz, es in »geflossenen (d. i. geschmolzenen)Zucker einzutauchen", da der Zucker einerseits die Fäulnishindere, andererseits aber selbst ein treffliches Nähr- undKräftigungsmittel bilde, wie es denn kein besseres und rascherwirkendes Präparat zur Stärkung Erschöpfter und Übermüdetergebe, namentlich zur Anregung der Herztätigkeit (»Cordial"),als gezuckerten Wein, oder Zuckerwasser mit Saft von Zitronenangemacht, „die aus Spanien jetzt wohlfeil zu beziehen sind." —Bekanntlich gelangten die nämlichen Vorzüge des Zuckers injüngster Zeit, und gerade wieder mit Rücksicht auf militärischeZwecke, zu erneuter Anerkennung; indessen reicht die Kenntnisvon diesen Eigenschaften weit hinter Leibniz' Periode zurück,denn schon der arabische Arzt Räzi (850 bis 923) spricht vomZucker als einem «leicht verdaulichen und assimilierbaren, dieVerdauung anderer Nährstoffe erleichternden, vorzüglichen Kraft-und Nahrungsmittel von herzstärkender Wirkung", und entgegenzahlreichen, nie ganz versiegenden Angriffen erhielt sich diesegute Meinung über die Tugenden des Zuckers von Jahrhundertzu Jahrhundert, und läßt sich, von den Vätern der arabischenMedizin beginnend, über Bartholomäus Anglicus (um 1250)Saladin d'Asculo (um 1450), Baptista Porta (1540 bis 1615),Tabernaemontanus (1588), Angelus Sala (1650), Hoff-mann (1701), Zahlheimb (1772), Boerhave (1774), U.A., bisauf Hufeland herab verfolgen; erst seit dem Anfange des19. Jahrhundertes geriet sie allmählich in Vergessenheit.