334 ZUR GESCHICHTE DES DIABETISCHEN ZUCKERS
in den Werken des Arztes Caraka, sowie in den medizinischenTraktaten der sogenannten Bower-Handschrift aufgeführt.Caraka gilt nach einheimischen, chinesischen und persisch-arabischen Quellen als ältester medizinischer Schriftsteller Indiens(denn von dem noch älteren Agnivesa, den er benutzt habensoll, ist nichts erhalten) und kann schon um etwa 100 n. Chr.gelebt haben; der jetzige Bestand seiner Werke ist allerdingserst durch einen Kommentator des 11. Jahrhundertes ge-sichert, und es ist fraglos, daß der Text sehr mangelhaft über-liefert und verschiedentlich ganz offenkundig aus anderenWerken ergänzt und vermehrt ist. Verbleibt demnach auchhier noch eine gewisse Unsicherheit, so darf die Bower-Handschrift ein desto größeres Vertrauen beanspruchen; dieseHandschrift, die in einem buddhistischen Heiligtum (sogenannterStupa) in Chinesisch-Kaschgarien gefunden wurde, ist an-scheinend von eingewanderten buddhistischen Hindus aufBirkenbast niedergeschrieben, den man im Format der süd-und westindischen Palmblatt-Manuskripte zugeschnitten hat,und zwar um 450 n. Chr., wie man aus sprachlichen und paläo-graphischen Kriterien folgert. Wenn dieser Schluß berechtigtist, so kann man nicht daran zweifeln, daß die indischen Ärzteschon im 5. Jahrhunderte den Diabetes kannten und nicht erstim 11. oder 12., wie ich angesichts der mangelnden Erwähnungdieser Krankheit bei sämtlichen arabischen Ärzten folgern zudürfen glaubte; wie aber dann dieses Schweigen der mit denSchriften der indischen Mediziner so wohl vertrauten arabischenAutoren zu erklären ist, kann nur durch weitere eingehendeUntersuchungen aufgehellt werden.