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[1] (1906)
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328
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328 ZUR GESCHICHTE DES DIABETISCHEN ZUCKERS

an chronologischem Geiste, der eine spezifische Eigentümlich-keit des indischen Nationalcharakters bildet, ist es leider nochnicht möglich gewesen, die Lebenszeit dieses Autors (der voneinigen Sanskritisten ins 10. vor-, von anderen ins 10., ja 15.nachchristliche Jahrhundert verlegt wurde!) bestimmt festzu-stellen; auf Grund der in meinerGeschichte des Zuckers" 1wiedergegebenen kritischen Betrachtungen, denen seither weitereForschungen zur Bestätigung gereichten, darf man es jedochals erwiesen ansehen, daß die Schrift des Susruta spätestensum 900 n. Chr. schon vorhanden war, jedoch in viel kürzererGestalt und ohne die zahlreichen Einschiebsel, die zwar invielen Fällen leicht erkennbar, aber keineswegs in allen sicherauszuscheiden sind. Die indischen Werke wachsen, um einenbotanischen Fachausdruck zu gebrauchen, durch Intussusception,d. h. es entspricht dem indischen Geiste, die ursprünglichen(häufig metrischen) Grundlagen ganz oder fast unverändert bei-zubehalten, sie aber durch Einfügung immer neuer Zusätze,Erläuterungen, erklärender Einkleidungen u. s. f., mehr und mehr,oft ins Ungemessene, zu erweitern; bedenkt man nun, daß einsolches Verfahren häufig ungezählte Jahrhunderte lang (erstmündlich, später schriftlich) fortgesetzt wurde, daß hierbei jedesGefühl für Chronologie fehlte, daß bei eigentlichen Fachwerkennoch die Mangelhaftigkeit der Überlieferung, sowie die Un-sicherheit der Kommentatoren und Lexikographen hinzutritt u. s. f.,so kann man bei Benutzung der Sanskritliteratur, sobald es sichum wissenschaftliche Gegenstände und vor allem um derenDatierung handelt, nicht vorsichtig genug verfahren. So müßtedenn wohl auch die Frage nach dem Alter der Bemerkungenüber die Süßigkeit des diabetischen Harnes vorerst unlösbarscheinen, wäre nicht zufälligerweise ein wichtiger Fingerzeigdadurch gegeben, daß, soviel bekannt, keiner der arabischenÄrzte oder medizinischen Autoren dieser Tatsache Erwähnungtut; mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wird man hieraus schließen

1 Leipzig 1890, S. 55.