EIN ANGEWANDTER" CHEMIKER DES 18. JAHRHUNDERTS 285
jedoch als Schwefelwasserstoff, unter Zerstörung der blauen Farbe,entweiche.
Viele Mühe verwendete Marggraf auf die Untersuchungder sogenannten Leuchtsteine. Durch Reduktion des in einemnicht-metallischen Mörser feingeriebenen Bologneser Schwer-spates mittels Traganth und Kohle erhielt er den Leuchtsteinals gelbe, nach Schwefel riechende, durch Säuren unter Ent-wickelung von Schwefelwasserstoff zersetzliche Masse, die man,um sie dauernd wirksam zu erhalten, in Glasröhren einschmelzenund stets vor dem ersten Erkalten belichten muß. Doch istder kostspielige Bologneser Spat nicht allein tauglich, umLeuchtsteine zu gewinnen, vielmehr können hierzu auch ein-heimische Mineralien dienen, z. B. Gips, Marienglas und Fluß-spat, und zwar strahlen diese, obwohl in sehr ungleichem Grade,sowohl nach dem Glühen ihr Licht aus, als auch nach derInsolation durch Sonne, Mond, oder selbst Kerzenflammen;nach kräftiger Insolation genügt übrigens schon Ofenwärme,um eine außerordentlich intensive Lichtstrahlung zu veranlassen.Was die Bestandteile der Leuchtsteine betrifft, so enthält derSchwerspat, wie sowohl die Reduktion mittels Kohle, alsauch die Entstehung von Kaliumsulfat beim Schmelzen mitPottasche oder Salpeter beweist, Schwefelsäure; außerdem isteine alkalische Erde vorhanden, die sich in Salpetersäure löstund auf Zusatz von Schwefelsäure die ursprüngliche Verbindungin Gestalt eines weißen kristallinischen Pulvers regeneriert. Daßdiese Erde (der Baryt) etwas eigenartiges an sich hat, erkannteMarggraf, über ihre Natur vermochte er aber ebenso wenigins klare zu kommen, wie über jene der im Flußspat vor-handenen Säure. Mit Bestimmtheit wies er jedoch nach, daßMarienglas chemisch identisch mit Gips und gleich diesemnichts anderes als schwefelsaurer Kalk sei, dessen Schwefel-säure sich leicht isolieren läßt, wenn man eine wässerige Gips-lösung mit Weinstein behandelt, wobei Kaliumsulfat auskristalli-siert; umgekehrt erhält man Gips durch Einwirkung von Schwefel-