Druckschrift 
[1] (1906)
Entstehung
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257
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ZWEI UNGEDRUCKTE BRIEFE LIEBIG'S

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Der zweite, längere Brief, in fester und fließender Schrift,einen Oktavbogen mit der (dick durchstrichenen) Aufschrift:Kapitel des k. Bayerischen Maximilians-Ordens für Wissen-schaft und Kunst" fast völlig ausfüllend, lautet, gleichfalls mitallen Eigentümlichkeiten der Orthographie und Interpunktionwiedergegeben, wie folgt:

München 23. Aug. 1872.

Mein verehrtester Freund!

Meinen besten Dank für die »alten Eisen- u. Silberfunde"welche eine Menge für mich interessanter Bemerkungen ent-halten; es ist dies wieder eine der großen Arbeiten, mitwelchen Sie uns zu überraschen gewohnt sind.

Es ist sonderbar daß man in Ägypten von eisernen Qe-räthen u. Waffen bis jetzt noch keine Spuren gefunden hat,während es doch ganz unmöglich scheint, ohne Stahl dieharten Gesteine zu bearbeiten, aus denen die Ägypter ihreGebäude u. Kunstdenkmale errichtet haben. Der Stahl ist inIndien uralt, so wie denn Baker u. andere Afrikareisende,bei vielen Völkerschaften eiserne Geräthe gefunden haben,deren Material an Ort u. Stelle aus Eisenerzen wie in Indiengewonnen wird. Ein Stahlhandel bestand in Damaskus inden ältesten Zeiten und der von dort verbreitete Stahl kamsicherlich aus Indien. Die leichte Oxydirbarkeit ist sicherlichder Grund daß man keine Reste von Geräthen mehr findet.Lepsius mit dem ich darüber sprach, sagte mir daß aufden Bildwerken in denen Waffen u. Geräthe vorkommen,Sicheln u. Schwerter theils in blauer theils in rother Farbesich vorfinden und daß er die blauen für eiserne, die rothenfür bronzene halte.

Die Vergoldung von silbernen Gegenständen mit Gold-amalgam ist den Römern nach Plinius schon bekannt ge-wesen.

Man sollte einmal alles sammeln und zusammenstellenwas die Alten über Metalle u. Metalgewinnung kannten; daß

v. Lippmann, Beiträge 17