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GOETHE'S FÄRBENLEHRE
das Spektrum und der Regenbogen, mit deren Farben sichNewton hauptsächlich beschäftigte, die Nuance Purpur über-haupt nicht enthalten.
2. Wie das weiße Licht nach Newton in die siebenhomogenen farbigen Lichter zerlegt wird, so muß es auch,nach Ansicht dieses Forschers, durch deren Vereinigung wiederzusammengesetzt werden können; es entstehe so auch wirklich,z. B. wenn man die sämtlichen gebrochenen bunten Licht-strahlen durch eine Linse wieder auf einen einzigen Punkthin vereinige. Diese Behauptung Newtons bestreitet Goethedurchaus. Zunächst widerspreche ihr der Augenschein, da beider Ausführung dieses Versuches in Wirklichkeit nicht Weißzu sehen sei, sondern Grau; dieser Einwand war wohl objektivberechtigt, da, wie spätere Forschungen (namentlich von Helm-holtz) zeigten, die Herstellung völlig reiner und homogenerfarbiger Lichter eine so außerordentlich schwierige ist, daß sieGoethe schwerlich jemals auch nur annähernd gelungen seinmag. Newtons Behauptung, so lehrt Goethe ferner, seiaber auch schon an und für sich widersinnig und absurd:es ist doch undenkbar, daß die Summierung von sieben Farben,deren jede an sich dunkler als Weiß sei und ein gewissesMaß des Schattigen (axiepdv) enthalte, als Resultat weißes reinesLicht ergebe; müßte doch, wenn das möglich wäre, auch schondie Vereinigung je zweier beliebiger farbiger Lichter unter allenUmständen zu einem helleren Lichte führen, was tatsächlichdurchaus nicht der Fall ist. 1
Es ist nicht leicht, die grundlegende Voraussetzung zudurchschauen, von der Goethe bei der Aufstellung dieserBehauptungen ausging, da er sich in der Farbenlehre selbstüber diesen Punkt nirgends des näheren ausgesprochen hat;mit großer Wahrscheinlichkeit ergeben aber einige Stellen inden Briefen und Gesprächen die eigentliche Quelle seinerMeinung. Offenbar ließ sich nämlich Goethe von einer schon1 „Farbenlehre", Bd. II, S. 172. Bd. IV, S. 395. Bd. I, S. 225.